Die Landeshauptstadt Schwerin hat ein Problem. Nicht das mit der Abwanderung, nicht das mit dem ÖPNV, nicht das mit der Innenstadt nach 18 Uhr. Diesmal geht es um etwas ganz Grundsätzliches: Am 12. April soll ein neuer Oberbürgermeister gewählt werden – und es fehlen 770 Wahlhelfer, die das Ganze überhaupt möglich machen.
770 Freiwillige. Für eine Stadt mit 98.308 Einwohnern. Das bedeutet: Rund jeder 128. Schweriner müsste sich melden, damit die Demokratie in der Landeshauptstadt am Wahltag nicht an Personalmangel scheitert. In einer Stadt, die es gewohnt ist, an Personalmangel zu scheitern, könnte man das natürlich auch als Normalzustand bezeichnen.
Stadtwahlleiterin appelliert – und hofft auf ein Wunder
Stadtwahlleiterin Juliane Rickert betont, dass „jede Unterstützung willkommen“ sei. Ob mit oder ohne Erfahrung, ob jung oder alt – wobei in Schwerin „jung“ mittlerweile alles unter 50 meint. Die Stadt bietet sogar Schulungen an, was vermuten lässt, dass die Tätigkeit komplexer sein könnte als das durchschnittliche Schweriner Kulturprogramm am Samstagabend.
„Ich würde ja helfen, aber am 12. April bin ich in Hamburg. Wie jeden Samstag. Und Sonntag. Und eigentlich die ganze Woche.“
Ein ehemaliger Schweriner, der die Wahlbenachrichtigung an seine alte Adresse bekam – so oder so ähnlich
Die Wahlhelfer sollen am Wahltag dafür sorgen, dass alles korrekt abläuft: Wahlberechtigung prüfen, Geheimhaltung sicherstellen und am Abend die Stimmen auszählen. Besonders die Geheimhaltung dürfte in einer Stadt, in der man sich vom Großen Dreesch bis zum Schelfmarkt über drei Ecken kennt, eine sportliche Herausforderung werden.
Sieben Kandidaten, null Begeisterung beim Zählen
Immerhin: Mit sieben Kandidierenden – von Sebastian Ehlers (CDU) über Mandy Pfeifer (SPD/Linke/Grüne) bis zu Heiko Steinmüller, dem parteilosen Phantom – gibt es genug Namen, um den Auszählungsabend spannend zu gestalten. Ob es am Ende überhaupt zur Stichwahl am 26. April kommt, für die ebenfalls noch Helfer gesucht werden, steht in den Sternen. Beziehungsweise im Engagement der Schweriner Bevölkerung, und das könnte bekanntlich auch als „resignierte Gelassenheit“ durchgehen.
Man könnte natürlich argumentieren, dass eine Stadt, die seit Jahren mehr Menschen verliert als gewinnt, irgendwann auch nicht mehr genug Leute hat, um eine Wahl durchzuführen. Aber das wäre ja pessimistisch. Und Schwerin ist bekanntlich die „wachsende Landeshauptstadt“ – zumindest in den Pressemitteilungen.
Wer helfen möchte, kann sich auf der Internetseite der Stadt anmelden oder telefonisch Kontakt aufnehmen. Man munkelt, die Leitung sei frei. Wie so vieles in Schwerin.
Quellen: NDR MV
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