Schwerin. Sechs Wochen vor der Oberbürgermeister-Wahl am 12. April fehlen der Landeshauptstadt noch 770 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Angesichts der aussichtslosen Personallage hat das Dezernat für demokratische Grundversorgung nun einen Alternativplan vorgelegt: Die Wahl soll per Handzeichen am Pfaffenteich stattfinden. „Bei der aktuellen Einwohnerzahl könnten wir das theoretisch an einem Nachmittag durchzählen“, so ein Sprecher der Stadtverwaltung.
„Sieben Kandidaten, aber keine 770 Menschen, die beim Zählen helfen“
Die Zahlen sind ernüchternd: Während sich für das Amt des Oberbürgermeisters immerhin sieben Personen freiwillig gemeldet haben, scheitert die Stadt daran, genügend Bürger zu finden, die den demokratischen Prozess organisieren. „Sieben Leute wollen Schwerin regieren, aber 770 wollen nicht mal für einen Tag einen Stift halten“, fasste der Beauftragte für Wahlmüdigkeit und demokratische Apathie, Werner Kreuzfeld, die Lage zusammen.
Das Problem sei strukturell: Mit einem Durchschnittsalter von 47,6 Jahren sei ein Großteil der wahlberechtigten Bevölkerung „physisch durchaus in der Lage, Stimmzettel zu falten“, aber „motional nicht mehr bereit, an einem Sonntag vor 14 Uhr aufzustehen“. Die jüngere Generation falle als Helfer komplett aus – sie sei bekanntlich nach Hamburg gezogen.
„Wir haben überlegt, die Wahlhelfer aus Rostock auszuleihen. Aber die haben gesagt, sie hätten selbst kaum genug – und außerdem käme man mit dem Regionalexpress sowieso nicht rechtzeitig an.“
Juliane Rickert, Stadtwahlleiterin Schwerin (fiktives Zitat, so oder so ähnlich)
Alternativkonzepte: Vom Pfaffenteich bis zur Postkarte
Die Verwaltung hat neben der Pfaffenteich-Lösung weitere Alternativkonzepte geprüft. Ein Vorschlag sah vor, die Wahl per Postkarte durchzuführen – was allerdings verworfen wurde, weil „die Deutsche Post in Schwerin ohnehin nur jeden zweiten Tag liefert“. Ein anderer schlug die Nutzung der NVS-Straßenbahnen als mobile Wahllokale vor: Wähler könnten während der Fahrt auf der Linie 1 abstimmen. Bei einer durchschnittlichen Fahrzeit von 23 Minuten „bleibt ausreichend Zeit für eine fundierte demokratische Entscheidung“.
Interims-OB Bernd Nottebaum soll dem Plan gelassen gegenüberstehen. „Wenn ich ehrlich bin, würde ein Handzeichen am Pfaffenteich mehr Bürger erreichen als jede Stadtvertretungssitzung der letzten zehn Jahre“, wird er in Verwaltungskreisen zitiert. Die sieben OB-Kandidaten reagierten unterschiedlich: Einer begrüßte den Vorschlag als „innovatives Bürgerbeteiligungsformat“, ein anderer fragte, ob man die Wahl nicht einfach ausfallen lassen könne.
Die Stadtverwaltung appelliert derweil weiterhin an die Schweriner, sich als Wahlhelfer zu melden. Als Anreiz wird neben der gesetzlichen Entschädigung ein „Exklusiv-Zugang zur Schweriner Demokratie“ versprochen – laut Kritikern das einzige Angebot, bei dem die Nachfrage in Schwerin noch geringer ist als beim Nachtbus.
Hinweis: Dieser Artikel ist Satire.
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