Am 12. April dürfen die knapp 79.000 Wahlberechtigten der Landeshauptstadt entscheiden, wer künftig das Rathaus am Pfaffenteich leitet. Sieben Menschen haben sich freiwillig gemeldet. Für einen Job, den der letzte Amtsinhaber nach eigener Aussage aus Erschöpfung aufgegeben hat. In einer Stadt, die seit der Wende 30.000 Einwohner verloren hat. Für ein Gehalt, das man in Hamburg für die Leitung eines mittelgroßen Fitnessstudios bekommt. Aber gut — irgendjemand muss es ja machen.
Seit Rico Badenschier im September 2025 das Handtuch warf — weil er keine Lust mehr hatte, gegen Mehrheiten in der Stadtvertretung anzuregieren und seine „persönlichen Ressourcen erschöpft“ seien — herrscht in Schwerin Übergangs-OB Bernd Nottebaum. Ein Mann, dessen größte Qualifikation darin besteht, dass er gerade da war, als der Stuhl frei wurde. Nun also Neuwahl. Das Feld: bunt, ambitioniert und teilweise aus Göttingen angereist.
Sebastian Ehlers (CDU) — 22 Jahre Erfahrung, null Schuldgefühle
43 Jahre alt. Seit 2004 in der Stadtvertretung. Seit 2016 im Landtag. Seit 2019 Stadtpräsident. Sebastian Ehlers hat mehr Jahre in der Schweriner Politik verbracht als die meisten Abiturienten in der Stadt, bevor sie nach Hamburg flüchten. Sein Vater saß für die CDU im Bundestag. Politik ist bei den Ehlers Familienbetrieb — wie eine Bäckerei, nur ohne frische Brötchen.
Ehlers will den „Bauturbo zünden“, mehr Videoüberwachung in der Innenstadt und Schwerin als „Lebenshauptstadt“ erhalten. Lebenshauptstadt. In einer Stadt, in der nach 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden und das aufregendste Nachtleben der Notausgang vom Cinemaxx ist. Aber klar — Kameras aufhängen, dann sieht man wenigstens in HD, wie leer es ist.
Was die Wähler wissen sollten: Ehlers‘ Beliebtheit ist messbar rückläufig. Bei seiner Wiederwahl zum Stadtpräsidenten im Juli 2024 bekam er nur 20 von 43 Stimmen — keine Mehrheit, die Selbstvertrauen schenkt. 14 Stimmen gingen an die AfD, 9 an den parteilosen Heiko Steinmüller. Und im Landtag? 2016 holte er 15,5 Prozent Erststimmen. 2021 nur noch 11,8. Fünf Jahre mehr Erfahrung, vier Prozentpunkte weniger Zuspruch. Mathematik ist grausam.
Dann die Lankow-Nummer: Ehlers stellte sich gegen den Erhalt eines Spielplatzes beim Bürgerentscheid. Die Bürger sagten: Nö, bleibt. Ehlers verlor. Und was machte er? Startete eine Spendenaktion für eben diesen Spielplatz — mit der Behauptung, dort seien „Bereiche gesperrt“. Reporter fuhren hin: Nichts gesperrt. Kein Absperrband, kein Schild, nicht mal ein böser Blick vom Klettergerüst. Pikant: Ein CDU-Parteikollege soll als potenzieller Investor für das Areal gehandelt worden sein, und ein Foto von der letzten OB-Wahl zeigt Ehlers Seite an Seite mit den Investoren. schwerin.news fragte höflich, ob der Stadtpräsident die Öffentlichkeit getäuscht habe.
Apropos parteiübergreifende Zusammenarbeit: Die CDU-Fraktion beschloss im Stadtparlament eine „Arbeitspflicht für Bürgergeld-Bezieher und Asylbewerber“ — mit Stimmen von AfD und FDP. OB Badenschier verweigerte die Umsetzung wegen verfassungsrechtlicher Bedenken. Das war einer der Hauptkonflikte vor seinem Rücktritt. Ehlers hat also aktiv dazu beigetragen, dass sein Vorgänger keine Lust mehr hatte. Und jetzt will er den Job übernehmen. Man muss die Chuzpe bewundern.
„22 Jahre Kommunalpolitik in Schwerin, und die Stadt hat in der Zeit 15.000 Einwohner verloren. Ich will gar nicht sagen, dass das seine Schuld ist. Aber auf den Lebenslauf würde ich’s nicht schreiben.“
Ein Rentner am Pfaffenteich, der schon drei OB-Wahlen überlebt hat
Mandy Pfeifer (SPD/Die Linke) — Drei Parteien, eine PowerPoint
48, geboren in Güstrow, aufgewachsen auf dem Großen Dreesch, Landtagsabgeordnete, SPD-Fraktionsvorsitzende in der Stadtvertretung, SPD-Kreisvorsitzende, Vorsitzende des Bildungsausschusses. Pfeifer sammelt politische Ämter wie andere Leute Payback-Punkte — irgendwann muss sich das doch lohnen.
Sie ist die gemeinsame Kandidatin von SPD, Die Linke und den Grünen. Rot-Rot-Grün geschlossen hinter einer Frau. Erstmals in Schwerin. Die Grünen beschlossen ihre Unterstützung Anfang Februar. In der Theorie eine progressive Übermacht. In der Praxis das Bündnis aus drei Parteien, die sich gegenseitig versprechen mussten, ihre Kernthemen nicht zu vergessen. Die Grünen erwarten „Verkehrswende, Bekämpfung der Segregation und Bürgerbeteiligung“. Die Linke will soziale Gerechtigkeit. Die SPD will, dass Schwerin „in guten Händen bleibt“. Alle nicken, keiner widerspricht, und am Ende steht ein Programm, das so breit ist, dass es jedem gefällt und niemanden begeistert.
Ihre Themen: Chancengleichheit, Bildung, sozialer Zusammenhalt, bezahlbarer Wohnraum, bürgernahe Verwaltung. 13 Jahre im Sozialministerium des Landes, zuletzt als Koordinierungsstelle für Kabinett und Landtagsangelegenheiten. Im Landtag hat sie sich tatsächlich für die Bezahlung von Volkshochschul-Lehrkräften eingesetzt und eine Reform des Kindertagesförderungsgesetzes durchgebracht. Solide Arbeit. Nur eben die Art von solider Arbeit, die in keiner Talkshow erwähnt wird.
Pfeifers größter Coup: Sie will die Politik von Rico Badenschier fortführen. Desselben Badenschiers, der hingeschmissen hat, weil er nicht mehr konnte. „Schwerin soll in guten Händen bleiben“, sagt sie. Die letzten guten Hände haben den Schlüssel auf den Tisch gelegt und sind gegangen. Aber gut — Kontinuität ist ein schönes Wort, besonders wenn man nicht so genau hinschaut, was man da fortsetzt.
Instagram-Bio: „Engagiert. Empathisch. Echt.“ Man spürt förmlich, wie ein Wahlkampfberater drei Adjektive auf ein Whiteboard geschrieben hat und alle im Raum nickten, obwohl keiner lachen wollte. Pfeifers Stärke: Sie ist solide. Ihre Schwäche: Sie ist solide. In einer Stadt, die dringend einen Ruck bräuchte, kandidiert sie mit dem Versprechen, dass alles so bleibt wie es war. Bei 98.308 Einwohnern und sinkend.
Petra Federau (AfD) — Zwischen Landtag und Legende
56, gebürtige Schwerinerin, vier Kinder, Landtagsabgeordnete, Fraktionsvorsitzende der AfD in der Stadtvertretung. 2013 war sie Gründungsmitglied des AfD-Landesverbands MV. Im November 2025 mit 93 Prozent nominiert. Die Frau ist in ihrer Partei so beliebt, dass nordkoreanische Wahlbeobachter neidisch werden könnten.
Kernthemen: Sicherheit, Ordnung, Migration, und das Schloss ist das schönste der Welt. Ihr Wahlslogan — „Lasst uns Schwerin BLAU machen!“ — kommt mit blauen Herz-Emojis. Die Subtilität einer Abrissbirne, aber hey, die AfD ist stärkste Fraktion in der Stadtvertretung. Irgendwas funktioniert.
Was jede Berichterstattung über Federau begleitet wie Möwengeschrei den Pfaffenteich: Die Escort-Geschichte. 2016 flog auf, dass sie unter dem Namen „Pia Sommer“ einen Escort-Service betrieben haben soll — „Beauty Escort 4You — German Beautys“. Frauen aus der Region, vermittelt in die Arabischen Emirate. Am 28. Mai 2016 strich die AfD sie auf einem Sonderparteitag in Binz von der Landesliste — 84 von 137 Mitglieder stimmten für den Rauswurf. Begründung: „Parteischädigendes Verhalten“. Sie hatte den Escort-Service bei ihrer Nominierung im Februar verschwiegen. Federau kandidierte trotzdem als Direktkandidatin und scheiterte. Fünf Jahre später zog sie über die Landesliste in den Landtag ein. Die deutsche Politik ist wie Schwerin: Man denkt, es geht nicht mehr, und dann passiert doch noch was.
Im Januar 2026 sollte TV Schwerin sie interviewen. Auf dem Fragenzettel: Ihre Eignung fürs Amt, die politische Linie der AfD MV, Migration, ihre Escort-Vergangenheit und ihre Verbindungen zu Björn Höcke. Federau brach das Gespräch ab, bevor es überhaupt aufgezeichnet wurde. Ihr Statement: „Die Würde des Menschen ist unantastbar — und das gilt auch für mich.“ Den Fragen zu den Treffen der ostdeutschen AfD-Fraktionsvorsitzenden in Schwerin wich sie ebenso aus. Moderator Thomas Böhm stellte klar: Er habe nie von „Faschisten-Treffen“ gesprochen — nur darauf hingewiesen, dass Höcke juristisch als „Faschist“ bezeichnet werden darf. BILD, WELT, Focus und t-online berichteten. Federau bekam ihre Schlagzeilen — nur nicht die, die sie wollte.
Fun Fact am Rande: Bevor Federau zur AfD ging, war sie bis 2005 CDU-Mitglied. Sie kandidierte 2004 sogar für die CDU als Bürgermeisterin in Badow. Erfolglos. Danach Pferdezucht, Gutshaus, Immobilien, und schließlich: AfD-Landesgeschäftsstelle. Ein Lebenslauf, den kein Drehbuchautor verkaufen könnte, weil der Lektor sagen würde: „Das ist zu unglaubwürdig.“
Dr. Aileen Wosniak (ASK) — Therapie für eine ganze Stadt
42, promovierte Psychotherapeutin, Verhaltenstherapie, Traumatherapie, EMDR. Wenn jemand für diesen Job qualifiziert ist, dann eine Frau, die berufsmäßig mit Traumata arbeitet. Schwerin ist ein Trauma — nur eben eins, das sich als Landeshauptstadt tarnt.
Wosniak hat null politische Erfahrung. Kein Mandat, keine Fraktion, kein Parteibuch im klassischen Sinne. Sie tritt für die ASK an — „Aktionsgruppe Stadt und Kulturschutz“ — eine außerparlamentarische Bürgerinitiative mit Klassenkampf-Rhetorik und Gandhi-Zitat auf der Webseite. Die ASK sieht sich „an der Seite derjenigen, die nicht privilegiert sind“. In der Stadtvertretung sitzt man allerdings nicht. Das ist, als würde man sich als Pilot bewerben mit dem Hinweis, dass man schon mal in einem Flugzeug gesessen hat.
Aufgewachsen auf dem Großen Dreesch, Nicht-Akademiker-Familie, dann raus — Hamburg, Berlin, Niedersachsen, Schweiz — und vor zwei Jahren freiwillig zurück nach Schwerin. 2024 Rückkehr, 2026 Kandidatur. Entweder echte Heimatliebe oder eine strategisch geplante Mission. Immerhin: Ihre Psychotherapie-Praxis in Ludwigslust floriert, sie expandiert sogar und sucht Kolleginnen. Die Frau kann also zumindest einen Laden führen — was man nicht von jedem im Feld behaupten kann.
Ihre Themen: Feministische Stadtentwicklung, FLINTA*-freundliche Räume, Jugendbeteiligung, struktureller Tierschutz. Letzteres ist kein Hobby — Wosniak sitzt im Vorstand von „Tiere in Not Schwerin“, einem Verein, der ohne einen Cent staatliche Unterstützung arbeitet und mit Katzeneinfangaktionen und Taubenrettung die Arbeit erledigt, die die Stadt nicht macht. Ihr Satz: „Ehrenamt ist kein Lückenbüßer für staatliches Wegsehen“ — das sitzt.
Sie findet, Schwerin habe kein Sicherheitsproblem, sondern ein Segregationsproblem: „Mehr Vielfalt gleich mehr Sicherheit.“ Dagegen lässt sich schwer argumentieren. Dafür lässt sich in Schwerin schwer eine Mehrheit finden. Der Durchschnittswähler hier ist 47,6 Jahre alt und googelt erstmal „FLINTA*“, bevor er entscheidet, ob er dagegen ist.
„Ich kandidiere nicht, um Schlagworte zu sammeln. Ich kandidiere, um Probleme zu lösen.“
Dr. Aileen Wosniak — ein schöner Satz für jemanden, der die Schweriner Verwaltung bisher nur von außen kennt. Innen sieht’s anders aus. Innen riecht es nach Aktenordnern und gebrochenen Träumen.
Massimo De Matteis (Volt) — Europa beginnt am Pfaffenteich
64, Volljurist, halb Niederländer, halb Italiener, geboren in Dortmund, seit 21 Jahren in Schwerin. Sein großes Ziel: Die „Vereinigten Staaten von Europa“. Als Oberbürgermeister einer Stadt, die nicht mal einen ICE-Anschluss hat. In Schwerin braucht man zwei Stunden Regionalexpress nach Hamburg — aber klar, erstmal Europa einigen.
De Matteis tritt für Volt an, die pan-europäische Partei, die bei der Bundestagswahl 2025 genau 0,7 Prozent holte. Null Komma Sieben. Das ist weniger als der Alkoholgehalt von alkoholfreiem Bier. In Schwerin kennt ihn vorher niemand. Er hat in der Ausländerbehörde gearbeitet, beim DRK und irgendwann Musik gemacht — aber Details? Fehlanzeige. De Matteis ist digital so unsichtbar wie Schwerin auf einer Deutschlandkarte. 21 Jahre in der Stadt und trotzdem ein Phantom.
Seine Kernthemen: Haushaltskonsolidierung, Digitalisierung, und der schöne Satz „Wer bestellt, der zahlt“ — womit er meint, dass der Bund die Kommunen besser finanzieren soll. Revolutionär. Das fordert in Deutschland nur jeder Bürgermeister seit 1949.
Sein ehrlichster Moment: „Die Bürger sollen bei der Wahl am 12. April auch die Wahl haben.“ Übersetzt: Ich weiß, dass ich nicht gewinne, aber Demokratie lebt von Vielfalt. Respekt. Schwerin lebt auch von Vielfalt — theoretisch. Praktisch lebt Schwerin von Landesbehörden und dem Schloss.
Lars Schubert (Einzelkandidat) — 400 Kilometer Luftlinie zur Heimatliebe
56, Unternehmensberater, wohnhaft in Göttingen. Göttingen. Niedersachsen. 400 Kilometer von Schwerin entfernt. Schubert will Oberbürgermeister einer Stadt werden, in der er nicht lebt. Das ist, als würde man sich als Bademeister bewerben und erwähnen, dass man das Schwimmen nach der Einstellung lernen möchte.
Aber Schubert hat Erfahrung — zumindest mit dem Scheitern. Die politische Karriere liest sich wie eine Reise durch das gesamte liberale Spektrum: Anfang der 90er gründete er die Jusos in Schwerin mit, kandidierte 1994 für die SPD zum Landtag (erfolglos), trat dann aus und wurde Landesvorsitzender der „Sozialliberalen Partei“ — einer Splittergruppe aus frustrierten SPD-Mitgliedern, von der heute niemand mehr weiß, dass es sie gab. 2002 kandidierte er für die SLP zur OB-Wahl. Ergebnis: 701 Stimmen, 2,0 Prozent. Danach Umzug nach Göttingen. Seit 2008 FDP-Mitglied in Niedersachsen. Jusos, SPD, SLP, FDP — Schubert hat die politische Mitte nicht gesucht, er hat sie umrundet.
24 Jahre und ein Bundesland später versucht er es nochmal. Motto: „Schwerin im Herzen. Das Land im Blick.“ Schwerin im Herzen, den Erstwohnsitz in Niedersachsen. Seine Rhetorik ist dafür erstklassig dramatisch: Schwerin erlebe ein „Rust-Belt-Szenario“, Handlungsspielräume „zerfallen in Echtzeit“. Er verknüpft seine Motivation mit den „Corona-Jahren“ und dem „Klimaschutz-Urteil“ des Bundesverfassungsgerichts. Der Satz „Das freie Deutschland ist seit 1989 mein Land, ich gebe es nie wieder her“ klingt nach Sonntagsrede, Gänsehaut und großem Kino. Von Göttingen aus betrachtet. Man fragt sich, ob er bei der Antrittsrede auch erstmal drei Stunden Zug fahren müsste.
FDP-Mitglied in Niedersachsen übrigens — wo die FDP seit 2022 nicht mal mehr im Landtag sitzt. Tritt aber als Einzelkandidat in Schwerin an. Verständlich. Die Marke FDP aufs Plakat drucken wäre aktuell so verkaufsfördernd wie „enthält Asbest“ auf eine Wohnungsanzeige.
Heiko Steinmüller (parteilos) — Der Kneipier, der’s wissen will
56, geboren in Parchim, gelernter Maurer, ehemaliger LKW-Fahrer, seit 2012 Kneipenwirt in der Mecklenburgstraße. Steinmüller ist das, was passiert, wenn jemand jahrelang hinterm Tresen die Probleme der Stadt anhört und irgendwann sagt: Lass mich mal machen. Seit 2019 sitzt er in der Stadtvertretung — erst für die SPD, aber das hielt genau ein Jahr. 2020 raus, seitdem fraktionslos. Oder wie er selbst sagt: „Kein Parteisoldat, sondern ein Stadtheini.“ Seine E-Mail-Adresse — genossesteini@web.de — hat er aus der SPD-Zeit offenbar mitgenommen wie einen Kugelschreiber vom Parteitag.
Sein Programm liest sich wie eine Bestellung an der Theke: Sozialer Wohnbau, weniger Bürokratie, Jugendkultur fördern. Er will eine zentrale Veranstaltungsfläche für Goa, Techno, Punk und Metal. In einer Stadt, in der das aufregendste Nachtleben seit Jahren sein eigenes Lokal ist, hat das eine gewisse Ironie. Aber auch einen Punkt — Schwerin hat null Clubs, und das sagt jemand, der es beruflich wissen muss.
Was Steinmüller von den anderen Kandidaten unterscheidet: Er hat kurz vor der Wahl bereits für Schlagzeilen gesorgt — und nicht die guten. Anfang Februar rückte die Polizei nachts um 2:20 Uhr zu seiner Bar aus. Ein 62-jähriger Gast behauptete, Steinmüller habe ihm ins Gesicht geschlagen. Anzeige wegen Körperverletzung. Steinmüllers Verteidigung auf Facebook war… kreativ: „Er wollte unbedingt, dass ich ihn schlage. Habe ich aber nicht!“ Die Situation sei „geplant“ gewesen, der Mann habe sich absichtlich fallen lassen, und das Ganze habe mit seiner angeblichen AfD-Nähe zu tun. Die Polizei sicherte Videomaterial. Das Ermittlungsverfahren läuft. Der OB-Kandidat hat jedenfalls als einziger im Feld bereits einen Polizeieinsatz auf dem Wahlkampf-Konto. Immerhin: Um 2 Uhr nachts war in Schwerin tatsächlich etwas los. Das allein ist eine Nachricht wert.
Übrigens: Bei der Stadtpräsidentenwahl 2024 bekam Steinmüller 9 von 43 Stimmen. Mehr als zwanzig Prozent der Stadtvertreter wählten den fraktionslosen Kneipenwirt statt den CDU-Kandidaten Ehlers. Das sagt weniger über Steinmüller als über den Zustand der Schweriner Politik.
„Politik ist manchmal wie ein schlechter Bierausschank: zu langsam, zu teuer, und am Ende bleibt ein komisches Gefühl.“
Heiko Steinmüller auf seiner Website. Man merkt: Der Mann hat Erfahrung — mit Bier und mit Politik.
Das Fazit: Schwerin hat die Wahl. Schwerin hat immer die Wahl. Schwerin wählt trotzdem.
Realistisch kämpfen zwei um den Posten: Ehlers (CDU) und Pfeifer (SPD/Linke/Grüne). Der eine mit 22 Jahren Erfahrung, sinkenden Zustimmungswerten und der Glaubwürdigkeit eines Mannes, der erst gegen einen Spielplatz stimmt und dann dafür sammelt — und nebenbei mit AfD-Stimmen eine verfassungswidrige Arbeitspflicht durchdrückte. Die andere mit drei Parteien im Rücken und dem Versprechen, genau das fortzuführen, wovor ihr Vorgänger kapituliert hat. Federau (AfD) lauert als Wildcard — stärkste Kraft in der Stadtvertretung, 93 Prozent Parteirückhalt und ein Sicherheitsthema, das in einer Stadt mit 47,6 Jahren Durchschnittsalter zuverlässiger zieht als jede Straßenbahn der NVS.
Die anderen vier werden ihre Stimmen im einstelligen Bereich sammeln, aber sie machen die Wahl bunter. Eine Psychotherapeutin mit florierender Praxis und null Politikerfahrung, ein Europäer den keiner kennt, ein Mann der von Jusos über SPD über SLP zur FDP gewandert ist und dabei den Wohnort gewechselt hat, und ein Kneipier mit Polizeiakte und der besten Politikdefinition des gesamten Wahlkampfs. Wenn das kein repräsentativer Querschnitt durch die Schweriner Gesellschaft ist, was dann?
Sollte kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit holen — und bei sieben Bewerbern ist das so sicher wie ein grauer Himmel über dem Schweriner See — gibt es eine Stichwahl. Dann entscheiden die Schweriner endgültig, wer die nächsten Jahre den Niedergang verwalten darf. Pardon: die Entwicklung gestalten.
OB-Wahl: 12. April 2026. Rund 79.000 Wahlberechtigte. Hingehen. Wählen. Ist sonst eh nichts los an einem Sonntag in Schwerin.
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Die ASK ist seit über 10 Jahren kontinuierlich mit einem Sitz in der Stadtvertretung vertreten. Und hat bisher die meisten Anträge gestellt. Owohl es nur ein Sitz ist, haben diesen bereits 8 Personen durch das „Nachrückerprinzip“ besetzt. Die ASK verfügt also über ausgibige Erfahrung und tiefe Einblicke in die Stadtpolitik.