Infrastruktur

NVS führt „Halten auf Wunsch“ ein: Schweriner fordern jetzt auch „Fahren auf Wunsch“

Schwerin (SIG) – Nach der erfolgreichen Einführung des „Halten auf Wunsch“-Service beim Nahverkehr Schwerin (NVS) fordert eine wachsende Bürgerinitiative nun den nächsten logischen Schritt: „Fahren auf Wunsch“. Denn warum sollte man überhaupt noch zu festen Zeiten losfahren müssen, wenn man auch einfach fahren kann, wann man will?

Der Nahverkehr Schwerin hatte vergangene Woche angekündigt, ab März einen einjährigen Testlauf zu starten: Busse sollen nach 20 Uhr auf Wunsch auch zwischen regulären Haltestellen anhalten – allerdings nur dort, wo es die Sicherheitslage zulässt und der Busfahrer zustimmt. „Wir wollen den Fahrgästen mehr Flexibilität bieten“, erklärt NVS-Sprecher Karsten Holzapfel. „Manchmal wohnt man eben genau zwischen zwei Haltestellen und hat keine Lust, noch 200 Meter zu laufen.“

Doch vielen Schwerinern geht das nicht weit genug. „Das ist ein Anfang, aber der Service muss konsequent zu Ende gedacht werden“, fordert Bürgerinitiativen-Gründer Ralf Jürgens (52). „Warum muss ich mich noch nach Fahrplänen richten? Ich will doch einfach nur Bus fahren, wenn MIR danach ist – nicht wenn die Stadtwerke meinen, dass jetzt Zeit dafür ist.“

Die Initiative „Mobilität für Schweriner“ hat bereits einen Antrag an die Stadtvertretung vorbereitet. Darin wird gefordert, dass Busse künftig nicht mehr zu festen Zeiten fahren, sondern per App angefordert werden können – ähnlich wie Uber, nur eben mit den großen gelben NVS-Bussen. „Stellen Sie sich vor: Sie wachen morgens auf und denken ‚Ich will jetzt in die Stadt‘. Dann drücken Sie einen Knopf und fünf Minuten später steht der Bus vor Ihrer Haustür. Das wäre echte Bürgernähe!“

Der NVS zeigt sich skeptisch. „Wir haben derzeit 47 Busse im Einsatz“, erklärt Holzapfel. „Wenn jeder Schweriner seinen persönlichen Bus-Chauffeur hätte, bräuchten wir etwa 95.000 zusätzliche Fahrzeuge.“ Außerdem sei fraglich, ob die Busfahrer überhaupt noch wissen würden, wo sie hinfahren sollen, wenn niemand mehr weiß, wo eigentlich die Haltestellen sind.

Doch die Bürgerinitiative lässt sich davon nicht beirren. „Ausreden!“ ruft Jürgens empört. „Die wollen nur nicht zugeben, dass ihr altes System überholt ist. Im Jahr 2026 muss öffentlicher Nahverkehr endlich dort sein, wo DER BÜRGER ihn braucht – nämlich genau da, wo er gerade steht, genau dann, wenn er will, und am besten noch mit Sitzplatzgarantie am Fenster.“

Als Kompromiss schlägt die Initiative vor, zunächst mit einem „Fahren auf Wunsch“-Pilotprojekt zu starten – natürlich nur nachts, nur bei gutem Wetter und nur für Menschen, die zwischen Haltestellen wohnen. „Dann kann man das schrittweise ausbauen“, so Jürgens. „Vielleicht in 50 Jahren haben wir dann einen Nahverkehr, der wirklich NAH ist.“

Die Stadtvertretung will im März über den ursprünglichen „Halten auf Wunsch“-Antrag entscheiden. Über „Fahren auf Wunsch“ wird wahrscheinlich erst diskutiert, wenn jemand eine App dafür programmiert hat – oder wenn alle Busfahrer gekündigt haben.

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