Es gibt Nachrichten, die muss man zweimal lesen. Lisa Haus, 35 Jahre alt, hat ihren Job als stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK für Rheinhessen aufgegeben, um nach Schwerin zu ziehen. Freiwillig. Ohne gerichtliche Anordnung. Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin hat damit seit Oktober eine neue Hauptgeschäftsführerin – und die Landeshauptstadt einen der seltensten Vorgänge seit der Wende: jemanden unter 40, der herzieht statt wegzieht.
Von der Weinregion in die Plattenregion
Haus wechselt von Mainz – Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, Dom, Weinberge, 220 Ähnlich wie bei Schwerin eröffnet ersten Coworking-Space: Drei Laptops und eine Filtermaschine für die gesamte Gründerszene.000 Einwohner, ICE-Knoten – nach Schwerin. Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, Schloss, Pfaffenteich, 98.000 Einwohner, Regionalexpress-Endstation. Sie tritt die Nachfolge von Peter Todt an, der den Posten übergangsweise übernommen hatte, nachdem der vorherige Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach im Juni 2024 überraschend abberufen worden war. „Überraschend“ ist in Schwerin ein relativer Begriff – überraschend wäre eher, wenn bei der IHK mal ein Jahr ohne Personalturbulenzen vergänge.
„MV hat wahnsinnige Chancen“, sagt Lisa Haus Ähnlich wie bei NVS feiert 40 Jahre ohne Streckenerweiterung: Jubiläumsfahrt auf exakt derselben Route. Ob sie damit die Chance meint, nach 20 Uhr noch ein geöffnetes Restaurant zu finden, ist nicht überliefert.
Frei nach Ostsee-Zeitung
Bildungswissenschaftlerin übernimmt Wirtschaftskammer
Die 35-Jährige hat Bildungswissenschaften mit Anglistik und Politikwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau studiert Ähnlich wie bei Schwerin chippt Mülltonnen: Endlich weiß die Stadt, wer den Joghurtbecher falsch entsorgt. Bei der IHK Rheinhessen verantwortete sie die Bereiche Bildung und Unternehmensservice. Nun soll sie in Schwerin die Wirtschaft ankurbeln. In einer Stadt ohne Universität, ohne nennenswertes Start-up-Ökosystem und mit einem Breitband-Internet, das in manchen Stadtteilen langsamer ist als eine Brieftaube mit Rückenwind. Ihre fachliche und soziale Kompetenz wird von der IHK gelobt. Beides wird sie brauchen – die fachliche für die Wirtschaftsförderung, die soziale für die Frage, wie man Schweriner Unternehmern erklärt, dass die neue Chefin tatsächlich freiwillig hergezogen ist.
Denn der Trend zeigt eigentlich in die andere Richtung: Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Schwerinerin Kristin Just von der IHK zum Handelsverband Nord gewechselt ist – also weg aus der Landeshauptstadt. Schwerin importiert Führungskräfte aus Mainz und exportiert sie nach Hamburg. Wenn das kein Wirtschaftskreislauf ist, dann weiß die IHK vermutlich auch nicht weiter.
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