Schwerin. Die Landeshauptstadt reagiert auf die beispiellose Verbrechenswelle, die in der vergangenen Woche die Kleingartenanlage in der Wittenburger Straße erschütterte: 20 Gartenlauben wurden aufgebrochen. Zwanzig. In einer einzigen Nacht. Für Schwerin ist das statistisch gesehen ein Anstieg der Kriminalitätsrate um geschätzte 4.000 Prozent.
Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum berief daraufhin eine Krisensitzung ein und verkündete die Gründung der „Kleingarten-Sondereinsatztruppe Schwerin“ (KST-SN) – der ersten Spezialeinheit Deutschlands, die sich ausschließlich dem Schutz von Schrebergärten widmet. Die Truppe soll aus zwölf hochspezialisierten Beamten bestehen und ab sofort im Drei-Schicht-System zwischen Komposthaufen und Regentonne patrouillieren.
Ausstattung auf NATO-Niveau geplant
Die KST-SN soll laut internem Konzeptpapier mit Nachtsichtgeräten, Drohnen und einem speziell umgebauten Streifenfahrzeug ausgestattet werden, das zwischen den Parzellenwegen navigieren kann. Kostenpunkt: 1,2 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Spielplatz in Lankow kostete 70.000 Euro und brauchte drei Jahre Planungszeit.
„Wenn wir schon keine Clubs, kein IKEA und keinen ICE-Anschluss haben, dann müssen wir wenigstens unsere Gartenlauben schützen. Die sind das Letzte, was uns geblieben ist.“
Bernd Nottebaum, Interims-Oberbürgermeister (so oder so ähnlich)
Die Polizei hatte die beiden Tatverdächtigen zwar noch in derselben Nacht auf frischer Tat gestellt, doch das reicht der Stadt nicht mehr. „Wir können nicht jedes Mal darauf warten, dass die Polizei zufällig vorbeikommt“, erklärte Günther Fassbrecht, der neu ernannte Dezernent für Parzellensicherheit und präventiven Laubenschutz. „In einer Stadt, in der abends um 21 Uhr die Ampeln auf Gelb schalten, brauchen wir jemanden, der wach bleibt.“
Kleingärtner fordern Aufrüstung
In der betroffenen Anlage an der Wittenburger Straße herrscht derweil Ausnahmezustand. Mehrere Parzellenpächter haben eigenständig Stacheldraht um ihre Grundstücke gezogen und Bewegungsmelder installiert. Ein 71-jähriger Rentner soll nachts in einem Campingstuhl vor seiner Laube Wache halten – bewaffnet mit einer Taschenlampe und einer Thermoskanne Kamillentee.
„Mein Rasenmäher ist 340 Euro wert. Wissen Sie, wie lange ich dafür am Pfaffenteich Enten füttern gehen musste, um mir den leisten zu können?“
Herbert K. (71), betroffener Laubenpieper
Kritiker monieren, dass die 1,2 Millionen Euro für die Kleingarten-Truppe besser in den ÖPNV investiert wären. Die NVS, deren Straßenbahnen seit 2003 nicht erneuert wurden, kommentierte die Nachricht mit einem knappen: „Wir nehmen das zur Kenntnis.“ Die Pressemitteilung erschien drei Tage verspätet, weil der zuständige Sachbearbeiter im Urlaub war.
Die Stadtvertretung wird den Antrag zur KST-SN voraussichtlich im März in den Ausschuss für Sicherheit, Ordnung und Kleingartenwesen überweisen. Dort dürfte er vertagt, in eine interfraktionelle Arbeitsgruppe verlagert und schließlich in einer leicht modifizierten Fassung erneut eingereicht werden. Experten rechnen mit einer Einsatzbereitschaft der Truppe frühestens im Jahr 2031 – sofern die Fördermittel nicht vorher für eine neue Schloss-Broschüre umgewidmet werden.
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