Infrastruktur

Nach 13 Jahren Planung: Schwerin baut Fahrradparkhaus – und verspricht, dass es diesmal wirklich klappt

Schwerin hat eine neue Lieblingsgeschichte, und sie beginnt, wie alle großen Schweriner Geschichten, mit dem Satz: „Wir planen schon seit Jahren.“ Im konkreten Fall: seit 2014. Zwölf Jahre. Zwei Olympiaden. Drei Bundesregierungen. Und jetzt – jetzt – wird wirklich gebaut. Ehrenwort.

Das Fahrradparkhaus am Schweriner Hauptbahnhof ist beschlossene Sache. Im Dezember 2025 haben die Bagger angerollt, der Spatenstich ist erfolgt, und wenn alles glatt läuft – und warum sollte in Schwerin irgendetwas glatt laufen – dann können Radfahrer ihr Gefährt ab Frühjahr 2027 auf zwei Etagen sicher abstellen. Für rund 100 Euro im Jahr. Pro Rad. Das ist weniger als ein Schwerin-Jahresabo für das Staunen über städtische Planungsprozesse kostet.

Vom Schwarzbuch direkt in den Spatenstich

Der Bund der Steuerzahler hatte das Projekt im Schwarzbuch 2025 als Steuerverschwendung gelistet – ein Ehrenzeichen in der Schweriner Stadtplanung, das beinahe schon Tradition hat. Die Reaktion der Stadt war vorbildlich: Man baute einfach trotzdem. Oder vielleicht gerade deswegen. Die Netto-Baukosten belaufen sich auf 3,2 Millionen Euro, von denen die Stadt Schwerin ganze zehn Prozent selbst trägt. Den Rest übernehmen Bund, Land und der Förderfonds der Metropolregion Hamburg – ein Beweis dafür, dass Schwerin zwar kein Geld hat, aber sehr wohl weiß, wo man welches beantragen kann.

„Immer teurere Räder und E-Bikes brauchen eine Möglichkeit, wo sie abschließbar und damit sicher sind.“

Madleen Kröner, Radentscheid Schwerin – nach 13 Jahren Kampf für das Parkhaus

Kröner kämpfte seit mehreren Jahren für das Parkhaus. Mehrere Jahre klingt dabei fast schon bescheiden – der erste Diskussionspunkt über den Bedarf einer Radstation in Schwerin datiert auf 2014. Damals wurden noch Mobiltelefone mit Tastatur benutzt. Das E-Bike war ein Nischenprodukt. Die Idee, ein Fahrrad in einem Parkhaus abzustellen, klang für manche Schweriner so exotisch wie ein vegetarisches Grillbüffet.

Eine Geschichte voller Zuständigkeitswechsel

Die Planungshistorie liest sich wie ein Organigramm des Scheiterns: 2014 erste Bedarfsdiskussion. 2015 kommt die Landentwicklungsgesellschaft (LGE) und nennt das Ding plötzlich „Mobilitätsstation“ – klingt teurer, ist teurer. 2017 übernimmt die Stabsstelle Umweltschutz und Klimamanagement. 2018 geht es zurück an die LGE. 2021 europaweite Ausschreibung. Irgendwann dazwischen gab es eine Pandemie, mehrere Bürgermeisterwahlen und mindestens eine Schweriner Stadtentwicklungsdebatte über den Ziegenmarkt. Und jetzt: Baubeginn. Die neue Heimat des Fahrradverleih-Standorts, der bisher am Ziegenmarkt residierte und dort von niemandem gefunden wurde.

200 gesicherte, wettergeschützte Fahrradstellplätze sollen entstehen, dazu Gepäckschließfächer und E-Bike-Lademöglichkeiten. Fertigstellung: Dezember 2026. Inbetriebnahme: erstes Quartal 2027. Man beachte die sprachliche Präzision: „erstes Quartal“ heißt irgendwas zwischen Januar und März – ein Zeitfenster, das in der Schweriner Verwaltungslogik als „sehr bald“ gilt.

Für Schweriner Verhältnisse gilt: Wenn etwas nach nur 13 Jahren gebaut wird, handelt es sich um ein Schnellverfahren.

Was als nächstes kommt

Optimisten in der Schweriner Fahrradgemeinde träumen bereits vom nächsten Schritt: eine sichere Radverbindung zum Fahrradparkhaus. Pessimisten tippen auf 2039. Die Verwaltung schweigt vorsorglich. Wer sein Rad bis dahin irgendwo anschließen möchte, darf gerne am nächsten Laternenpfahl probieren – oder sich die Erfahrungen mit der Schweriner Parkkarte zu Gemüte führen, die ebenfalls ein Denkmal städtischer Zeitplanung darstellt.

Bis 2027 empfiehlt sich jedenfalls: Fahrrad zuhause lassen. Oder nach Castrop-Rauxel ziehen, wo man gerade über ganz andere Fusionen nachdenkt.


📰 Quellen: NDR MV (14.01.2026), Nordkurier (21.12.2025)

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