Schwerin (sig) – Nach dem Vorbild des amerikanischen Groundhog Day hat die Landeshauptstadt Schwerin am heutigen 2. Februar ihren ersten offiziellen Murmeltiertag am Pfaffenteich gefeiert. Das eigens angeschaffte Prognose-Murmeltier „Karl-Friedrich“ sollte durch sein Verhalten die Zukunft der Stadt vorhersagen. Es sah seinen Schatten und grub sich sofort wieder ein.
„Das bedeutet traditionell sechs weitere Wochen Winter“, erklärte der städtische Eventbeauftragte vor geschätzten 14 Zuschauern. „In Schwerin übersetzen wir das allerdings mit sechs weiteren Jahrzehnten ohne Veränderung. Das Tier hat lediglich bestätigt, was die Bevölkerungsstatistik seit 1990 zeigt.“
Tier zeigte unerwartete Ortskenntnisse
Bemerkenswert war das Verhalten des Murmeltiers nach der offiziellen Zeremonie. Statt zurück in seinen Bau zu kriechen, orientierte sich Karl-Friedrich zielsicher in Richtung Nordosten und begann zu laufen. Tierpsychologen sehen darin ein natürliches Abwanderungsverhalten, wie es in der Landeshauptstadt auch bei der menschlichen Bevölkerung seit Jahren beobachtet wird. Das Tier bewegte sich exakt in Richtung Rostock.
„Selbst ein Nagetier erkennt innerhalb von 30 Sekunden, dass in dieser Stadt nichts los ist“, kommentierte ein Rentner, der das Spektakel vom Pfaffenteich-Ufer aus beobachtete. „Die Schwäne haben letztes Jahr dasselbe versucht.“
Die Stadtvertretung hatte den Murmeltiertag als innovatives Tourismuskonzept beschlossen, nachdem eine Studie ergeben hatte, dass Schwerins durchschnittliche Touristenverweildauer bei 47 Minuten liegt. Der Murmeltiertag sollte diese Zeit auf mindestens 52 Minuten erhöhen.
Wir hatten gehofft, Karl-Friedrich würde aus seinem Bau kommen und symbolisch in der Stadt bleiben. Stattdessen hat er das getan, was 98 Prozent aller Besucher tun: kurz umschauen und dann schnellstmöglich weg.
Stadtsprecher Fabian Lehmann, sichtlich bemüht um Fassung
Kosten-Nutzen-Analyse fällt erwartungsgemäß aus
Die Anschaffung des Murmeltiers und der Aufbau des Geheges am Pfaffenteich kosteten die Stadt laut Angaben 8.700 Euro. Bei 14 Zuschauern ergibt das einen Pro-Kopf-Investitionswert von 621 Euro. Die Stadtverwaltung verteidigte die Ausgaben: Man habe schließlich auch 450.000 Euro für eine Ruine ausgegeben, da fielen 8.700 Euro für ein fliehendes Nagetier kaum ins Gewicht.
Karl-Friedrich wurde zuletzt an der A19 Richtung Rostock gesichtet. Die Stadt prüft derzeit, ob das Tier unter die Rubrik „Abwanderung“ in die Bevölkerungsstatistik aufgenommen werden muss. Bei 98.308 Einwohnern zählt schließlich jeder Kopf – egal ob mit oder ohne Fell.
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