Wer geglaubt hatte, die Karriere von Wolfgang Schmülling (SPD, 70) sei nach der Turbo-Beförderungs-Affäre beendet, kennt Mecklenburg-Vorpommern schlecht. Vier Monate nach seinem unfreiwilligen Abgang aus dem Innenministerium hat der Sozialdemokrat einen neuen Top-Job: Er ist jetzt Chef des Kommunalen Sozialverbandes (KSV) in Schwerin. Mit Sonderdienstvertrag. Für zunächst zwei Jahre.
Die Ironie dabei: Der KSV, den Schmülling jetzt leitet, soll nach dem Willen sämtlicher Landkreise aufgelöst werden. Die Landräte haben das der Ministerpräsidentin bereits schriftlich mitgeteilt. Schmülling übernimmt also quasi die Rolle eines Insolvenzverwalters für einen Verband, dessen Daseinsberechtigung niemand mehr sieht.
Personalreservoir erschöpft – außer bei Ruheständlern
Wie kam es zu dieser bemerkenswerten Besetzung? Der KSV war mehrere Monate führungslos, nachdem der bisherige Chef ins Innenministerium wechselte. Die Suche nach einem Nachfolger verlief erfolglos. Aus Kreisen der Kommunen heißt es, das Personalreservoir für solche Posten sei „sehr begrenzt“. Offenbar so begrenzt, dass man auf einen 70-jährigen Ruheständler zurückgreifen musste — immerhin weiß er inzwischen, was die Smartphone-Symbole bedeuten, der gerade wegen fragwürdiger Personalpolitik seinen letzten Job verloren hat.
Ich schätze Wolfgang Schmülling sehr. Ich brauche jemanden, der Ruhe reinbringt.
Michael Sack (CDU), Landrat von Vorpommern-Greifswald
Ruhe reinbringen – in einen Verband, den keiner mehr will. Das ist selbst für Schweriner Verhältnisse eine kreative Aufgabenbeschreibung.
Finanziell reizvoll: gar nicht
Zumindest am Geld kann es nicht liegen: Schmüllings Ruhestandsgehalt als Ex-Staatssekretär liegt über dem, was er als Verbandsdirektor verdient. Extra-Geld gibt es wahrscheinlich nicht. Man könnte also sagen: Er macht den Job aus reiner Leidenschaft für die Sache. Oder weil ein gewisser Kreis von Genossen sich gegenseitig die Posten zuschiebt, bis wirklich alle versorgt sind.
Der NDR wollte mit Schmülling über seinen neuen Job sprechen. Er lehnte ab. Verständlich. Was soll man auch sagen? „Ich freue mich darauf, einen Verband zu leiten, den alle abschaffen wollen“?
Die Auflösung des KSV wird übrigens erst nach der Landtagswahl erwartet. Bis dahin hat Schmülling noch etwas zu tun. Danach ist dann wirklich Ruhestand. Diesmal vielleicht sogar freiwillig.
Quelle: NDR MV
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