In Schwerin gelten Verkehrsregeln bekanntlich für alle. Also für alle, die keinen Dienstwagen mit getönten Scheiben und Fahrer in Anzug haben. Für den Rest gilt: Man fährt, wo man will — auch durch gesperrte Straßen.
„Hallöchen!“ — „Wissen Sie, wen Sie hier vor sich haben?!“
Die Szene hätte einem Sketch von Loriot entliehen sein können, spielte sich aber in der Realität ab — und das vor laufenden NDR-Kameras. Ein schwarzer BMW mit ministeriellem Insassen prescht durch eine gesperrte Straße in der Landeshauptstadt. Zwei Polizeibeamte bemerken den Verstoß und halten die Limousine an. Einer der Beamten nähert sich dem Fahrzeug und grüßt freundlich mit einem „Hallöchen!“
Weiter kommt er nicht. Statt eines ebenso freundlichen „Hallöchen“ zurück wird der Beamte angeblafft. Offenbar hat man in der Limousine vergessen, dass Polizisten ihren Job machen — und dass „Ich bin wichtig“ kein gültiger Verkehrsteilnehmerausweis ist.
Merke: In Schwerin bestimmt die Größe des Dienstwagens, ob Verkehrsregeln gelten oder eher so als Empfehlung zu verstehen sind.
Die OZ-Recherchen ergaben, dass es sich nicht einmal um einen Wagen aus dem Fuhrpark des Landtags handelte, wie zunächst vermutet — ein Landtagssprecher dementierte. Stattdessen war es der Dienstwagen eines Ministers. Details, die die Geschichte nur noch schöner machen: Der Beamte hat offenbar „etwas missverstanden“. Ja, vermutlich hat er missverstanden, dass Gesetze in MV je nach Gehaltsklasse unterschiedlich ausgelegt werden.
Schwerin: Wo Macht durch gesperrte Straßen fährt
Man muss fairerweise sagen: In einer Stadt, in der schon die Radfahrer todesmutig unterwegs sind, ist ein Minister in einer gesperrten Straße fast schon unauffällig. Und wer weiß — vielleicht war die Straße ja nur für Normalbürger gesperrt. Für Dienstwagen-Fahrer galt bestimmt die Ausnahmeregel Paragraph 1 des Schweriner Sondergesetzes: „Wer einen Fahrer hat, darf überall hin.“
Das NDR-Team hat die ganze Szene festgehalten. Man darf gespannt sein, ob der Minister demnächst auch einen Strafzettel bekommt — oder ob der Polizist, der es gewagt hat „Hallöchen“ zu sagen, versetzt wird. In Schwerin weiß man ja nie, wer am Ende die Konsequenzen trägt: der Regelbrecher oder der Regelwächter.
Aber immerhin: MV will digital souverän werden. Vielleicht gibt es bald eine App, die Minister automatisch durch gesperrte Straßen navigiert — ganz ohne lästige Polizeikontrollen.
Quellen: Ostsee-Zeitung
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
