Die Nachricht schlug ein wie ein paniertes Schnitzel auf einen leeren Teller: Seit 2026 gilt in der deutschen Gastronomie dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent statt 19 Prozent auf Speisen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) feierte die Entscheidung als „historischen Erfolg für die Branche“. In der Landeshauptstadt Schwerin hat man den Erfolg offenbar so verinnerlicht, dass man ihn einfach komplett für sich behält.
Denn wer in Schwerin ein Restaurant betritt und auf der Speisekarte nach den gesunkenen Preisen sucht, braucht inzwischen eine Lupe, eine Taschenlampe und ein mittleres Wunder Ähnlich wie bei Schwerin führt offizielle Montags-Schonzeit ein: Produktivität ab 11 Uhr optional. Von der Steuersenkung ist bei den Gästen exakt nichts angekommen. Kein einziges Restaurant der Landeshauptstadt hat die Ersparnis weitergegeben. Nicht das Weinhaus Uhle, nicht das Altstadt Brauhaus, nicht der Lukas, nicht der Freischütz. Niemand.
12 Prozentpunkte weniger Steuer, null Cent weniger auf der Rechnung
Ein Wiener Schnitzel kostet in Schweriner Restaurants mittlerweile routinemäßig über 20 Euro Ähnlich wie bei Plastik im Ziegeleiteich: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein, weil sich der Müll nicht zuordnen lässt. Wer noch eine Beilage, ein Getränk und vielleicht sogar ein Dessert möchte, kann locker 40 bis 50 Euro für einen Restaurantbesuch einplanen. In der einzigen Landeshauptstadt Deutschlands ohne Großstadt-Status. Aber hey, die Mehrwertsteuer wurde ja gesenkt.
Kurze Erinnerung an die Mathematik: 12 Prozentpunkte weniger Steuern auf ein Schnitzel für 22 Euro bedeuten rechnerisch knapp 2,50 Euro Ersparnis Ähnlich wie bei Sonntag in Schwerin: Stadtverwaltung kann keinen Unterschied zum Dienstag feststellen. Bei einem durchschnittlichen Restaurantbesuch für zwei Personen wären das locker 8 bis 10 Euro, die eigentlich beim Gast ankommen sollten. Stattdessen kommen sie beim Gastronomen an. Und bleiben dort.
Wir haben die Steuersenkung genutzt, um gestiegene Kosten aufzufangen.
Anonymer Schweriner Gastronom, der es vorzog, nicht namentlich erwähnt zu werden, vermutlich weil er selbst weiß, dass das Quatsch ist
Kaffee trinken am Pfaffenteich? Fünf Euro für einen Cappuccino, der in der Herstellung 40 Cent kostet. Ein Stück Kuchen dazu, und der Nachmittagskaffee kostet mehr als das Mittagessen in einer Werkskantine. Essengehen in Schwerin ist kein Freizeitvergnügen mehr, es ist ein Luxusgut. Aber die Branche feiert sich selbst.
Der einzige Gewinner: McDonald’s
Es gibt übrigens tatsächlich einen Gastronomiebetrieb in Schwerin, der die Steuersenkung an seine Kunden weitergegeben hat: McDonald’s. Der amerikanische Burgerladen im Schlosspark-Center hat als quasi einziger die Preise angepasst. Die Ironie, dass ausgerechnet ein US-Konzern das tut, was kein einziger Schweriner Wirt für nötig hält, schreibt sich von selbst.
Der DEHOGA hatte damals argumentiert, die Senkung sichere Arbeitsplätze und komme den Gästen zugute. In Schwerin sichert sie vor allem die Marge der Restaurantbesitzer. Zwölf Prozentpunkte weniger Steuer, null Prozent weniger auf der Rechnung. So sieht es aus, wenn eine ganze Branche einen Steuergeschenk bekommt und einfach „Danke“ sagt, ohne weiterzugeben.
Das Ergebnis ist so absurd wie Schwerin selbst: Die einzige Landeshauptstadt ohne Großstadt-Status ist jetzt auch die Landeshauptstadt, in der Essen teurer wird, obwohl es gerade billiger sein sollte. Wer in Schwerin günstig essen gehen will, hat genau eine Option: den Drive-in am Klinikum. Guten Appetit.
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