Schwerin beweist einmal mehr, dass sich ein Besuch in Deutschlands kleinster Landeshauptstadt lohnt – zumindest für Freunde des gepflegten Kontrollverlusts. Am vergangenen Freitagnachmittag um 16:50 Uhr bot die Marienplatz-Galerie ihren Besuchern ein exklusives Rahmenprogramm, das selbst die verwaisten Ladenlokale vor Neid erblassen ließ: Hitlergrüße, verfassungsfeindliche Parolen und eine Faust im Gesicht einer 17-Jährigen.
Ein 26-jähriger, polizeibekannter Schweriner – Strafregister-Schwerpunkte: Körperverletzung und Staatsschutzdelikte – hatte sich offenbar vorgenommen, das kulturelle Angebot der Innenstadt im Alleingang aufzuwerten. Zusammen mit seinem 18-jährigen Begleiter ging er auf zwei Jugendliche los. Beide Tatverdächtige hatten jeweils über 1,2 Promille intus – wohlgemerkt: freitags um kurz vor fünf. In Hamburg trinkt man um die Uhrzeit Afterwork-Cocktails. In Schwerin ist man der Afterwork-Cocktail.
Tierabwehrspray als einzige Konfliktlösung
Besonders bemerkenswert: Die Situation endete nicht etwa durch das Eingreifen von Security, Zivilcourage oder gar Vernunft – sondern erst, als jemand mit Tierabwehrspray drohte. In einer Stadt, in der man mittlerweile lieber neben Löwen übernachtet als in der Innenstadt, überrascht es kaum, dass Tierabwehr auch unter Menschen die effektivste Deeskalationsmethode darstellt.
„Wir sind froh, dass sich in der Galerie überhaupt noch etwas bewegt – auch wenn es diesmal Fäuste waren.“
Ein Einzelhändler, der anonym bleiben möchte
Die Polizei konnte beide Tatverdächtigen noch in der Galerie antreffen – was weniger an schneller Polizeiarbeit lag als daran, dass man in Schwerin ohnehin nirgendwohin fliehen kann. Der 26-Jährige wurde dem Haftrichter vorgeführt, der umgehend Haftbefehl erließ. Der 18-Jährige durfte gehen – vermutlich, weil das Gefängnis in Schwerin auch nicht gerade vor Platz strotzt.
Landeshauptstadt mit Alleinstellungsmerkmal
Während andere Städte über Konzepte gegen Rechtsextremismus debattieren, hat Schwerin die Lösung bereits gefunden: einfach keine Einkaufszentren mehr, in denen man randalieren könnte. Bei der aktuellen Rate an Ladenschließungen dürfte die Marienplatz-Galerie bald ohnehin nur noch aus dem Sparkassen-Automaten und einem Döner bestehen. Dann hat der nächste Hitlergruß wenigstens weniger Publikum als eine OB-Wahlveranstaltung.
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