Gesellschaft

Lions Club spendet 22.222 Euro an Schweriner Tafel — Betrag exakt so krumm wie die Haushaltslage der Stadt

Es gibt Zahlen, die erzählen Geschichten. 22.222 Euro zum Beispiel. So viel hat der Lions Club Schwerin der Schweriner Tafel gespendet. Nicht 22.000 — das wäre zu rund. Nicht 22.500 — das wäre zu großzügig. Nein: 22.222 Euro. Eine Zahl, die aussieht wie eine Geheimbotschaft, die jemand beim Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt in den Taschenrechner getippt hat.

Das Geld stammt aus dem Verkauf des traditionellen Lions-Adventskalenders sowie aus Einnahmen des Glühweinstandes auf dem Schweriner Weihnachtsmarkt. Von der Summe wurde ein Ford Transit mit neun Sitzen angeschafft. Neun Sitze — das sind acht mehr als der durchschnittliche Schweriner Linienbus an Fahrgästen transportiert.

Ein Transporter für die Tafel — schneller als alles, was sonst in Schwerin fährt

Der Ford Transit soll künftig Lebensmittel bei Supermärkten abholen und zwischen den 14 Ausgabestellen der Tafel transportieren. Außerdem ist er für Ausflüge der Kindertafel vorgesehen — etwa Fahrten mit Kindern aus bedürftigen Familien, für die bisher kein geeignetes Fahrzeug existierte. Damit ist der Transit vermutlich das meistgenutzte Fahrzeug in Schwerin seit dem Einkaufswagen im Penny am Dreescher Markt.

Die Schweriner Tafel versorgt nach eigenen Angaben rund 4.000 Bedürftige in Westmecklenburg — an 14 Ausgabestellen in Schwerin, Zarrentin, Boizenburg, Wittenburg und Gadebusch. Bei einer Stadtbevölkerung von knapp 100.000 ist das eine Quote, die man in anderen Landeshauptstädten lieber nicht laut ausspricht.

Adventskalender als Wirtschaftsmotor

Dass der Lions Club seine Spende aus Adventskalender- und Glühweinverkauf finanziert hat, spricht Bände über die Schweriner Ökonomie. In München sammeln Lions Clubs bei Charity-Galas mit Sekt und Canapés. In Schwerin steht man bei Minusgraden am Glühweinstand und verkauft Lose für 2,50 Euro. Das Ergebnis ist dasselbe — nur die Erfrierungsquote ist höher.

Das Autohaus Hugo Pfohe kam beim Kaufpreis entgegen, was in der Branche als „Schwerin-Rabatt“ bekannt ist: Man senkt den Preis so lange, bis ihn sich jemand leisten kann, der sein Budget aus einem Markt finanziert, in dem schon Schokolade als Luxusgut gilt.

In den kommenden Wochen soll der Transporter noch mit den Logos der Tafel und des Lions Clubs beklebt werden. Schwerin freut sich: Endlich ein Fahrzeug in der Stadt, das einen nachvollziehbaren Zweck hat — und nicht nur zwischen Großem Dreesch und Marienplatz im Kreis fährt.

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