Politik

Lankow feiert Bürgerentscheid-Sieg mit GoFundMe für kaputten Spielplatz

Schwerin. Es ist der Triumph der Bürgerbeteiligung, wie ihn nur die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns feiern kann: Erst votierte Lankow erfolgreich gegen den geplanten Bau von Wohnungen, Arztpraxen und neuen Spielplätzen an der Kieler Straße. Jetzt startet eine GoFundMe-Kampagne, um den maroden Bestandsspielplatz zu retten. Die Spendensumme von 30.000 bis 40.000 Euro entspricht in etwa dem, was der Spielplatz im abgelehnten Neubaukonzept gekostet hätte. Nur eben diesmal aus eigener Tasche.

Mehrere Geräte aus Sicherheitsgründen gesperrt

Der bestehende Spielplatz sei „stark in die Jahre gekommen“, teilt die Stadt mit – eine Formulierung, die sonst für Bundesstraßen und das Schweriner Rathaus reserviert ist. Mehrere Spielgeräte seien beschädigt oder aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Zustand lade „kaum noch zum Spielen oder Verweilen ein“. Anwohner berichten, selbst die Tauben würden den Platz mittlerweile meiden.

„Unabhängig davon, wie abgestimmt wurde: Kinder brauchen einen Ort, an dem sie sich sicher bewegen können.“

Stadtpräsident Sebastian Ehlers, ohne jede erkennbare Ironie

Die Rechnung ist bestechend einfach: Der Bürgerentscheid hat den Neubau verhindert. Der Neubau hätte neue Spielplätze mitgebracht. Ohne Neubau kein neuer Spielplatz. Also sammeln jetzt die Bürger selbst. In anderen Städten nennt man das kommunale Selbstverwaltung durch Umwege, in Schwerin ist es Donnerstag.

Ortsteilvertretung aktiviert internationale Crowdfunding-Plattform

Cordula Manow, Vorsitzende der Ortsteilvertretung Lankow, erklärt das Konzept: „Jede Unterstützung hilft – egal ob klein oder groß.“ Die Spenden werden über GoFundMe gesammelt, eine amerikanische Plattform, die normalerweise für Krebsbehandlungen ohne Krankenversicherung genutzt wird. Dass eine deutsche Landeshauptstadt ihre Spielplätze so finanziert, zeigt immerhin: Schwerin ist international angekommen.

„Ich hab beim Bürgerentscheid mit Nein gestimmt, weil ich die Ruhe im Viertel erhalten wollte“, erklärt ein Anwohner, der anonym bleiben möchte. „Jetzt spende ich 50 Euro für die Schaukel. Das ist doch vernünftig.“ Auf die Frage, ob der Neubau nicht günstiger gewesen wäre, antwortet er: „Rechnen Sie das doch selbst aus. Ich bin Rentner, kein Mathematiker.“

Die Stadt Schwerin selbst hat für den Standort keine Sanierung aus städtischen Mitteln vorgesehen. Warum auch – der Bürger hat ja Nein gesagt. Dass der Bürger jetzt privat bezahlt, was die Stadt über den Investor kostenlos bekommen hätte, nennt die Verwaltung „lebendige Demokratie“. In Erfurt würde man es anders nennen.

Der Link zur Spendenkampagne ist aktiv. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Summe bis 2028 erreicht sein könnte – vorausgesetzt, bis dahin wohnen noch Familien mit Kindern in Lankow. Die demografische Entwicklung der Landeshauptstadt macht diesbezüglich keine Versprechungen.

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1 Kommentar

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