Gesellschaft

Lärmkrise in Schwerin: Bewohner klagen über drittlauteste Landeshauptstadt von unten

Schwerin. Was lange als Deutschlands ruhigste Landeshauptstadt galt, steht vor einer akustischen Zeitenwende: Zahlreiche Bewohner der 98.308-Einwohner-Metropole klagen über unerträglichen Dauerlärm. Die Stadtverwaltung hat eine Sondersitzung einberufen, um das Problem zu analysieren, das Experten bereits als „die lauteste Krise seit der Bundesgartenschau 2009″ bezeichnen.

Bis zu 47 Dezibel: Anwohner am Limit

Messungen des städtischen Umweltamtes haben ergeben, dass die Lärmbelastung in einigen Wohngebieten Schwerins zeitweise auf bis zu 47 Dezibel ansteigt – ein Wert, den Akustiker als „leises Gespräch“ klassifizieren, der für Schweriner Verhältnisse jedoch einer akustischen Apokalypse gleichkommt. Zum Vergleich: In Hamburg liegt der Durchschnitt bei 75 Dezibel. Dort nennt man das „angenehme Stille“.

„Früher konnte man hier nachts die Schwäne atmen hören. Jetzt fährt manchmal um halb zehn noch ein Auto durch die Straße. Das ist kein Leben mehr.“

Anwohner Klaus-Dieter W. (71) aus der Schelfstadt

Hauptverursacher des Lärms sind laut Stadtverwaltung die Straßenbahn (vier Linien, davon eine nach 20 Uhr im 30-Minuten-Takt), vereinzelte Lieferfahrzeuge sowie eine „statistisch signifikante Zunahme von Vogelaktivität am Pfaffenteich. Letzteres wurde von Ornithologen jedoch als normales Schwanenverhalten eingestuft.

Rostock lacht, Hamburg ignoriert

In den sozialen Medien sorgte die Nachricht für Heiterkeit. Unter dem Hashtag #SchwerinIstZuLaut posteten Nutzer Videos von leeren Straßen, in denen lediglich der Wind zu hören war. Ein Rostocker Nutzer kommentierte: „In Schwerin ist schon laute Stille zu laut.“ Die Hamburger Morgenpost titelte: „Kleines Schwerin jammert – Millionenstadt achselzuckend.“

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, einen Lärmaktionsplan zu erstellen, der unter anderem das Aufstellen von Flüsterzonen am Marienplatz und eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Tretboote auf dem Pfaffenteich vorsieht. Kosten: geschätzte 120.000 Euro. Zeitrahmen: offen.

Bis dahin raten Experten betroffenen Schwerinern, sich mit Ohrstöpseln auszustatten oder, alternativ, nach Berlin zu ziehen. „Dort ist es so laut, dass man den Lärm nicht mehr hört“, so Prof. Niemeyer. „Das nennt man Adaption. Oder Resignation.“

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