Was passiert, wenn eine Ausstellung in Schwerin so gut besucht wird, dass man sie verlängern muss? Richtig: Man reibt sich die Augen und prüft, ob jemand die Zählgeräte manipuliert hat. Doch im Fall der Schau „Querfeldein – Bilder von Mecklenburger Landschaften“ von Gottreich Albrecht im Schleswig-Holstein-Haus ist es tatsächlich passiert. Die Ausstellung wird bis zum 15. Februar 2026 verlängert. Grund: großes Interesse.
Rund 100 Bilder von Landschaften, die man auch kostenlos sehen könnte
Gezeigt werden etwa 100 Zeichnungen und Aquarelle, die auf Wanderungen durch die mecklenburgische Landschaft entstanden sind. Gottreich Albrecht, Architekt und Stadtplaner aus Schwerin, hat damit etwas geschafft, was der Tourismus-Verband seit Jahrzehnten vergeblich versucht: Menschen dazu zu bringen, sich freiwillig mit der Region zu beschäftigen. Dass die gemalten Landschaften vermutlich ansprechender aussehen als die echten im Februar, sei dahingestellt.
Der genaue Blick des Architekten sei in den Bildern spürbar, heißt es in der Ankündigung. In einer Stadt, in der das Museum einen Audioguide auf Plattdeutsch anbieten muss, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu generieren, ist das ein bemerkenswerter Satz.
„Ich komme jetzt zum dritten Mal. Das letzte Mal war ich so begeistert, dass ich fast vergessen hätte, warum ich eigentlich aus Schwerin wegziehen wollte.“
Anonym (32), hat den Umzugswagen schon bestellt
Kultur-Hauptstadt? Zumindest Kultur-Nebenstelle
Die Verlängerung markiert einen seltenen Lichtblick im Kulturkalender der Landeshauptstadt. Normalerweise ist die Frage nicht, ob eine Ausstellung verlängert wird, sondern ob sie überhaupt jemand bemerkt hat. Doch Albrechts Aquarelle scheinen einen Nerv zu treffen — möglicherweise den Nerv einer Bevölkerung, die ihre eigene Stadt lieber in Wasserfarben sieht als in echt. Wer sich fragt, welche Festivals zum Durchschnittsalter passen, findet hier die Antwort: alle.
Die Stadtverwaltung prüft bereits, ob die Verlängerung als Großveranstaltung eingestuft werden muss. In einer Stadt, in der man sich fragt, was man hier unter 30 macht, ist eine Aquarell-Ausstellung immerhin besser als die Antwort „nichts“.
Geöffnet bis 15. Februar. Eintritt: so günstig wie die Lebenshaltungskosten in Schwerin. (Quelle: Nordkurier)
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