Die Buschstraße in Schwerin hat eine neue Hoffnungsträgerin. Wo jahrelang Nagellackentferner die Raumluft dominierte, soll im März das „Multibloque“ eröffnen — ein Kultur-Bistro, das Gastronomie mit Kunst verbindet. Betreiberin Beatrice Voigt, 54, hat im Dezember den Mietvertrag unterschrieben und den Laden umgebaut. Der Geruch sei inzwischen weg, sagt sie. „Hat eine Weile gedauert.“
Ein Lokal, das gleichzeitig Mittagstisch, Galerie und Treffpunkt sein will — in einer Stadt, deren Innenstadt bereits als Naturschutzgebiet vorgeschlagen wurde. Man könnte es mutig nennen. Man könnte es auch wahnsinnig nennen. Beatrice Voigt nennt es „eine Lücke füllen“.
Mittagessen unter zehn Euro — in Schwerin praktisch ein Michelin-Stern
Das täglich wechselnde Mittagsgericht soll „deutlich unter zehn Euro“ kosten. Die Küche orientiert sich an mediterranen Vorbildern: Sandwiches, Tortillas, Suppen, montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr. „Wenn die Öffnungszeiten nicht funktionieren, werden sie angepasst“, sagt die Gründerin — ein Satz, der in Schwerin erfahrungsgemäß bedeutet: Irgendwann macht man um 14 Uhr zu, weil ab 14:30 sowieso niemand mehr in der Innenstadt ist.
Beatrice Voigt ist keine Unbekannte: Sie leitete zuvor die Kaos-Galerie im Schlosspark-Center — ein städtisch finanziertes Projekt, um leere Läden mit Leben zu füllen. Davor führte die Autorin und gebürtige Schwerinerin das „Café Kunterbunt“, bekannt für Lesungen und Ausstellungen.
Der Monobloc-Stuhl als Namensgeber: Multi statt Mono
Der Name „Multibloque“ ist ein Wortspiel — abgeleitet vom „Monobloc“, dem weltweit verbreiteten Billig-Stapelstuhl aus Plastik, der bereits mit Filmen und Ausstellungen geehrt wurde. Acht Künstlerinnen und Künstler gestalten je einen Monobloc-Stuhl für die Innenausstattung. Die Botschaft: Multi statt Mono. Niemand soll hier lange allein bleiben.
Das Multibloque ist ein Familienbetrieb. Sohn Gordon steuerte das Corporate Design bei, Ehemann Volker — von Beruf Architektur-Modellbauer — tischlerte Teile der Inneneinrichtung samt Tresen. Dass „Bea’s Bistro“ als Alternative verworfen wurde, dürfte die richtige Entscheidung gewesen sein. In einer Stadt, in der bereits der erste Club seit 15 Jahren nach zwei Wochen schließen musste, braucht jedes neue Lokal einen Namen, der nach mehr klingt als nach dem Vornamen der Besitzerin.
Geplante Eröffnung: irgendwann im März. Der genaue Termin steht noch nicht fest. In Schwerin ist das keine Verzögerung — es ist Tradition.
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