Mecklenburg-Vorpommern erlebt die kältesten Tage dieses Winters. Im östlichen Vorpommern fielen die Temperaturen laut NDR Nordmagazin auf bis zu minus 14 Grad. Die gefühlte Temperatur lag noch darunter. Für die meisten Bundesländer wäre das eine Meldung wert. Für MV ist es Dienstag.
Und wo steht Schwerin in diesem eisigen Ranking? Richtig: Nicht an der Spitze. Die kältesten Werte wurden im östlichen Vorpommern gemessen, irgendwo zwischen Greifswald und der polnischen Grenze. Unsere geliebte Landeshauptstadt schafft es nicht einmal beim Frieren auf den ersten Platz. Im Wettbewerb der Extremtemperaturen ist Schwerin so mittelfeld wie in allem anderen auch.
Minus 14 Grad: Für Vorpommern ein Rekord, für Schwerin unerreichbar
Minus 14 Grad, wohlgemerkt. Das ist die Temperatur, bei der Diesel anfängt zu gelieren, Handydisplays den Dienst verweigern und selbst hartgesottene Mecklenburger kurz überlegen, ob die Jogginghose vielleicht doch eine Nummer zu dünn ist. Im östlichen Vorpommern war das in den vergangenen Nächten Realität. Die gefühlte Temperatur, also das, was der Wind aus den offiziellen Werten macht, lag noch tiefer.
Schwerin dürfte irgendwo bei minus 8 bis minus 10 gelegen haben. Kalt genug, um den Pfaffenteich zufrieren zu lassen. Nicht kalt genug, um irgendwo erwähnt zu werden. Das Schicksal einer Stadt, die selbst beim Wetter den Vergleich mit der eigenen Provinz verliert.
Minus 14? Da hätten wir hier auch gerne mitgemacht. Aber Schwerin ist halt zu mild. Selbst die Kälte macht einen Bogen um uns.
Jürgen W. (63), Rentner am Pfaffenteich, der trotzdem jeden Morgen seine Runde dreht
Was man Schwerin lassen muss: Die Stadt nimmt die Kälte mit der ihr eigenen Gelassenheit. Kein Krisenstab, kein Sonderprogramm, keine hektischen Pressemitteilungen. Was soll auch passieren? Wer in einer Stadt lebt, in der die Straßenbahnen aus den Jahren 2001 bis 2003 stammen und der Winterdienst als optionale Dienstleistung gilt, den erschüttert ein bisschen Frost nicht mehr. Man hat sich arrangiert. Wie mit allem.
Die Straßenbahn fährt. Irgendwann.
Spannend wird es beim ÖPNV. Die Nahverkehr Schwerin GmbH betreibt vier Straßenbahnlinien mit Fahrzeugen, die bereits über 20 Jahre auf dem Buckel haben. Bei minus 10 Grad friert da nicht nur die Tür fest, sondern auch die letzte Hoffnung auf Pünktlichkeit. Wobei: Ob eine Straßenbahn in Schwerin 5 oder 15 Minuten Verspätung hat, fällt bei einem 15-Minuten-Takt sowieso kaum auf. Nach 20 Uhr fährt ohnehin nichts mehr. Da kann es so kalt sein wie es will.
Zum Vergleich: In Dresden, das bei ähnlichen Temperaturen ebenfalls nicht gerade tropisch ist, fahren die Straßenbahnen im 5-Minuten-Takt bis Mitternacht. Aber Dresden ist ja auch eine Großstadt. Mit einer Universität. Und Menschen unter 40.
Ich hab gestern 20 Minuten an der Haltestelle gestanden. Ob das an der Kälte lag oder am normalen Fahrplan, kann ich nicht sagen.
Sandra K. (34), Pendlerin aus Lankow
Kalt, kälter, Normalzustand
Wer in MV lebt, kennt das: 300 Tage grau, dazu ein paar Wochen richtig kalt, und dann direkt wieder grau. Die Kältewelle ist weniger ein Ereignis als eine Variation des Dauerzustands. Im Sommer ist Schwerin die Stadt, in der um 21 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden. Im Winter passiert das schon um 17 Uhr, wenn die letzte Tageslichtminute verbraucht ist.
Was bleibt, ist die Gewissheit, dass die kältesten Tage des Winters selbst in einem Bundesland, das für Kälte geradezu prädestiniert ist, woanders stattfinden. Vorpommern bekommt die minus 14 Grad. Schwerin bekommt die Frage, warum es nicht einmal ein Ranking gewinnen kann, das niemand gewinnen will.
Immerhin: Der Pfaffenteich sieht zugefroren ganz hübsch aus. Das ist doch was.
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