Die Junge Union Schwerin hat einen neuen Vorstand gewählt. An der Spitze steht weiterhin der 31-jährige Jan Reißig — ein Mann, der dem Wort „jung“ im Parteinamen eine ganz eigene, großzügige Interpretation verleiht. Mit 31 ist man in Schwerin allerdings tatsächlich noch Nachwuchs. Das Durchschnittsalter der Landeshauptstadt liegt schließlich irgendwo zwischen Frühpensionierung und Pflegestufe eins.
Zu den politischen Errungenschaften des Kreisverbands zählen unter anderem ein Vorschlag zur Beflaggung öffentlicher Gebäude, eine Initiative zur Arbeitspflicht für Asylbewerber und Bürgergeldempfänger sowie — und hier wird es wirklich revolutionär — die Forderung nach einem Hundestrand in Zippendorf. Damit hat die JU Schwerin etwas geschafft, woran die gesamte Stadtpolitik seit Jahrzehnten scheitert: ein konkretes Projekt, das tatsächlich jemanden betreffen könnte. Wenn auch nur Hunde.
Inhaltlicher Motor einer leerlaufenden Maschine
Philipp Geib, stellvertretender Landesvorsitzender der JU MV und Mitglied im Bundesvorstand, lobte den Kreisverband in höchsten Tönen. Die JU Schwerin sei zum „inhaltlichen Motor der CDU Schwerin“ geworden. Was genau das über die CDU Schwerin aussagt, ließ Geib offen. Wenn ein Jugendverband mit 17- bis 31-Jährigen der Motor ist, darf man sich fragen, was der Rest der Partei macht. Vermutlich das Gleiche wie die Stadt: abwarten und hoffen, dass es von allein besser wird.
Besonders stolz ist man darauf, dass eine Idee zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks es sogar bis in den Bundesvorstand der Jungen Union geschafft hat. Aus Schwerin. In den Bundesvorstand. Das ist ungefähr so, als würde die vierte Straßenbahnlinie plötzlich eine ICE-Zulassung bekommen.
Selbstwirksamkeit als Fremdwort — außer bei der JU
„Es ist ein tolles Gefühl, einen Verband zu führen, für den Selbstwirksamkeit kein Fremdwort ist.“
Jan Reißig, Kreisvorsitzender der JU Schwerin
Selbstwirksamkeit in Schwerin. Man muss den Satz zweimal lesen. In einer Stadt, in der die OB-Wahl mehr Kandidaten hat als die Straßenbahn Linien, in der jeder Fortschritt erst drei Ausschüsse, zwei Bürgerbeteiligungen und eine Legislaturperiode Wartezeit durchlaufen muss, behauptet ein Kreisverband mit neun Vorstandsmitgliedern, er kenne das Wort Selbstwirksamkeit. Respekt.
Zum neuen Vorstand gehören unter anderem die 17-jährige Stella Gahrau und die 18-jährige Margarete Kramer. Dass in Schwerin tatsächlich noch Menschen unter 20 existieren, gilt in Fachkreisen bereits als demografische Sensation. Dass sie sich dann auch noch freiwillig für Lokalpolitik interessieren, grenzt an ein Wunder. Die Stadt sollte die beiden unter Artenschutz stellen.
Die JU will weiter wachsen und junge Schwerinerinnen und Schweriner ansprechen. Angesichts der Tatsache, dass die Zielgruppe zahlenmäßig irgendwo zwischen dem Zirkus-Publikum und den Pfaffenteich-Schwänen liegt, ist das ambitioniert. Aber wer Hundestrände durchsetzen will, kennt keine Grenzen.
Quelle: wismar.fm
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