Die Landeshauptstadt Schwerin hat Mitte Februar eine Online-Umfrage gestartet, in der 13- bis 21-Jährige anonym gefragt werden, was sie sich für ihre Stadt wünschen. Die Umfrage läuft bis zum 20. März. Erste interne Zwischenergebnisse sollen jetzt durchgesickert sein, und sie lesen sich wie eine Standortanalyse der besonderen Art.
Häufigste Antwort auf „Was wünschst du dir?“ lautet: „Einen Umzugswagen“
Laut einer Person aus dem Umfeld der Auswertung soll bei der offenen Frage nach Wünschen für die Zukunft eine Antwort mit deutlichem Abstand vorn liegen: der Wunsch, Schwerin zu verlassen. Auf den Plätzen zwei und drei folgten demnach „ein Club“ und „WLAN, das funktioniert“. Platz vier sei „ein IKEA“ gewesen, gefolgt von „irgendwas nach 20 Uhr“.
Wir hatten mit konstruktiver Kritik gerechnet, vielleicht einem Wunsch nach mehr Jugendzentren oder besseren Radwegen. Dass die meistgenannte Antwort ein Ortwechsel ist, hat uns dann doch etwas überrascht.
Abteilungsleiterin für Partizipation und strategische Enttäuschungsverarbeitung (so oder so ähnlich)
Besonders die Frage nach Freizeitgestaltung am Abend soll ernüchternde Ergebnisse geliefert haben. Auf die Frage „Was machst du freitagabends in Schwerin?“ sollen 67 Prozent geantwortet haben: „Das Gleiche wie montags. Nichts.“ Weitere 18 Prozent hätten angegeben, nach Rostock oder Hamburg zu fahren. Der Rest habe „Netflix“ geschrieben oder die Frage für einen Witz gehalten.
Kinder- und Jugendrat: „Wir tagen viermal im Jahr. Das reicht.“
Auch die Bekanntheit des Schweriner Kinder- und Jugendrats sei abgefragt worden. Laut den Zwischenergebnissen sollen 4 Prozent der Befragten gewusst haben, dass es ihn gibt. Davon seien drei Viertel selbst Mitglieder gewesen. Ein Sprecher des Gremiums soll auf Nachfrage beschwichtigt haben: Man plane, die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren. Konkret sei ein Instagram-Account in Prüfung, allerdings fehle noch die Freigabe durch zwei Ausschüsse.
Die Stadtverwaltung soll die durchgesickerten Ergebnisse offiziell nicht kommentieren wollen. Man befinde sich noch in der Erhebungsphase, eine Auswertung erfolge erst nach Ablauf der Frist. Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Ergebnisse „als wichtiger Bestandteil in die Jugendhilfeplanung einfließen“. Was konkret daraus folge, stehe noch nicht fest. Vermutlich eine weitere Umfrage.
Die Stadt fragt mich, was ich mir wünsche, und wenn ich antworte, passiert trotzdem nichts. Das ist wie der Kleingartenverein als Ausgehviertel: gut gemeint, komplett am Leben vorbei.
Luisa, 17, Gymnasiastin aus Lankow (fiktiv)
Die Umfrage kann noch bis zum 20. März ausgefüllt werden. Sofern das Internet in Schwerin bis dahin durchhält.
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