Infrastruktur

ICE Rostock–Schwerin–Hamburg: Bald mit Deutschlandticket – wenn das Land zahlt, was noch offen ist

Gute Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern, mit Einschränkungen, die man kennen sollte, und Vorbehalten, die man nicht vergessen darf: Die ICE-Frühverbindung von Rostock über Schwerin nach Hamburg könnte bald mit dem Deutschlandticket nutzbar sein. Könnte. Wenn. Unter bestimmten Bedingungen. Und sofern im März eine positive Entscheidung fällt, die noch aussteht, aber theoretisch möglich ist.

Die Deutsche Bahn hat sich zu Wort gemeldet und klargestellt: Die Nahverkehrsticket-Nutzung sei „nur dann möglich, wenn das Land eine Ausgleichszahlung an die Bahn leiste, um das Vorhaben wirtschaftlich tragbar zu machen.“ Das ist Bahn-Deutsch für: Der ICE ist Fernverkehr, das Deutschlandticket ist Nahverkehr, und der Unterschied kostet Geld – das jemand anderes zahlen soll.

Das Modell: Alle machen mit, alle zahlen, keiner zahlt gerne

Das Prinzip ist dabei denkbar elegant: Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hat dem NDR bestätigt, dass „entsprechende Untersuchungen laufen.“ Was die Bahn bereits seit Oktober 2025 weiß – nämlich, dass die Strecke zwischen Rostock und Stralsund nach genau diesem Modell funktioniert – muss für die Strecke Rostock–Schwerin–Hamburg erst noch verhandelt werden. Denn Schwerin ist nicht Stralsund. Wer das nicht wusste, weiß es jetzt.

„Noch im März könnte dazu eine Entscheidung getroffen werden.“

Deutsche Bahn, Sprecherin – mit dem charakteristischen Konjunktiv der Zugverspätungsankündigungen

„Könnte“ ist das Schlüsselwort. Die Bahn kennt dieses Wort aus dem Verspätungsmanagement: „Der Zug könnte pünktlich kommen.“ „Das könnte klappen.“ „Im März könnte entschieden werden.“ Es ist das institutionelle Konjunktiv, das Bahnreisende gelernt haben zu übersetzen: gemeint ist „wir wissen es nicht, aber klingt gut.“

Was bedeutet das für Schweriner Pendler?

Aktuell fahren täglich Menschen mit dem ICE von Rostock über Schwerin nach Hamburg – und bezahlen dafür Fernverkehrspreise, auch für die kurze Strecke bis Schwerin. Das ärgert besonders jene, die täglich pendeln und ein Deutschlandticket haben, das für diesen Zug nicht gilt. Falls die Einigung klappt, könnten Besitzer des 49-Euro-Tickets künftig kostenlos mitfahren – oder zumindest ohne Aufpreis. Das wäre, für Schweriner Verhältnisse, eine Revolution des öffentlichen Verkehrs.

Zum Vergleich: Der Hauptbahnhof Schwerin hat zuletzt eher mit anderen Mobilitätsproblemen Schlagzeilen gemacht. Dass nun der ICE am selben Bahnhof mit dem Deutschlandticket zugänglich werden könnte, wäre ein Fortschritt, der die Bilanz erheblich aufbessern würde.

Das Land zahlt – vielleicht. Mittel sind „in Aussicht gestellt“

Die Landesregierung hat bereits Mittel aus dem Landeshaushalt „in Aussicht gestellt“ – ein schöner Begriff, der aussagt, dass man bereit wäre zu zahlen, wenn es so weit kommt, was noch nicht feststeht, aber eventuell im März entschieden wird. „In Aussicht stellen“ ist das fiskalische Äquivalent von „ich komme vielleicht zur Party, meld mich aber nochmal.“

Für Mecklenburg-Vorpommern wäre die Einigung trotzdem bedeutsam: Das Bundesland mit dem dünnsten Bahnnetz im Vergleich zur Fläche würde damit zeigen, dass guter Nahverkehr auch mit Fernverkehrszügen möglich ist – wenn man bereit ist, den Preis zu zahlen. Und wenn die Bahn zustimmt. Und wenn der Konjunktiv im März in einen Indikativ übergeht.

In Deutschland gilt: Gute Bahnverbindungen sind möglich, bezahlbar und sogar beliebt. Man muss nur warten, bis alle Beteiligten gleichzeitig Ja sagen. Das kann dauern.

Wir empfehlen: Wer von Schwerin nach Hamburg muss, kauft bis März weiterhin ein Fernverkehrsticket. Wer Geduld hat, wartet auf die Entscheidung. Wer weder das eine noch das andere hat, fährt mit dem Auto – und ärgert sich dann über die Parkkarte in Schwerin.


📰 Quelle: NDR MV (24.02.2026)

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