SCHWERIN. Es war kurz nach halb neun Uhr morgens in der Hamburger Allee, als in Schwerin mal wieder der Hund begraben wurde – diesmal allerdings eher metaphorisch. Eine 37-jährige Schwerinerin und eine 57-jährige Frau begegneten sich am Donnerstagvormittag mit ihren Hunden. Auslöser des Konflikts: Die Vierbeiner der Jüngeren waren nicht angeleint. Was als verbaler Austausch begann, endete mit einem Rettungswagen.
Laut Polizeiinspektion Schwerin steht die 37-Jährige im Verdacht, die ältere Frau mit Metallteilen einer Hundeleine am Kopf verletzt zu haben. Die 57-Jährige wurde vor Ort durch den Rettungsdienst erstversorgt und anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Die mutmaßlich verwendete Leine wurde sichergestellt. Sie ist jetzt Beweismittel. Das Werkzeug, das die Lage eskalierte, lag also die ganze Zeit bereits in der Hand der Täterin – im doppelten Wortsinn.
Ermittlung wegen gefährlicher Körperverletzung – und Hundehalterverordnung
Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Zusätzlich prüfen die Beamten einen möglichen Verstoß gegen die Hundehalterverordnung – jene bürokratische Richtschnur des zivilisierten Hundehaltens, deren Nichtbeachtung in Schwerin offenbar zu Vorfällen führt, die weit über das Bußgeldverfahren hinausgehen. Die Reihenfolge der Eskalation ist dabei bemerkenswert: Nicht der freilaufende Hund biss. Die Frau tat es – mit Metall.
„Im weiteren Verlauf eskalierte die Situation.“
Polizeiinspektion Schwerin – eine Formulierung, die den gesamten Hergang im Wesentlichen zusammenfasst
Schwerin und die Leinenpflicht: Ein Dauerthema mit wachsender Intensität
Die Frage, ob Hunde in der Stadt angeleint gehören oder nicht, ist eine der wenigen, bei denen Schweriner Bürgerinnen und Bürger tatsächlich leidenschaftlich Stellung beziehen. Parkbänke, Spielplätze, öffentliche Wege: Die Leinenpflicht ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern eine Frage der Haltung – im doppelten Sinne. Wer seinen Hund freilaufen lässt, sendet ein Signal. Wer es kommentiert, riskiert offenbar mehr als eine Antwort.
Dass die Auseinandersetzung ausgerechnet um 8:50 Uhr morgens stattfand – zu einer Zeit, in der in Schwerin normalerweise noch nicht viel passiert – verleiht dem Vorfall eine gewisse Frühsportästhetik. Der Morgenspaziergang als Kontaktsport. Die Hamburger Allee als Arena. Die Hundeleine als Sportgerät.
Die Ermittlungen dauern an. Beide Hunde waren zum Redaktionsschluss nicht erreichbar für eine Stellungnahme.
„Die mutmaßlich verwendete Leine wurde sichergestellt.“
Polizeiinspektion Schwerin – über den Gegenstand, der gleichzeitig Auslöser des Streits und Tatwaffe war
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