Schwerin. Die US-amerikanische Produktionsfirma Paramount Pictures hat die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns als Drehort für den Endzeitfilm „The Last City“ ausgewählt. Wie die Produktionsleitung am Donnerstag mitteilte, habe man sich gegen 14 andere Standorte durchgesetzt — darunter Tschernobyl und eine aufgegebene Bergbaustadt in Nevada.
„Schwerin hat uns vom ersten Moment an überzeugt“, erklärte Regisseur Bradley Coleman bei einer Pressekonferenz im Schweriner Schloss. „Wir haben normalerweise sechs Wochen Vorlauf, um eine Stadt postapokalyptisch aussehen zu lassen. Hier sind wir gelandet und dachten, die Requisite war schon da.“
Leerer Marienplatz spart Produktionskosten in Millionenhöhe
Besonders der Marienplatz mit seinen leerstehenden Geschäften habe das Location-Scouting-Team restlos überzeugt. „In Los Angeles hätten wir 200 Statisten gebraucht, die so tun als wären sie nicht da“, so Coleman. „Hier war einfach niemand da. Das ist authentischer als alles, was wir hätten inszenieren können.“
Die Marienplatz-Galerie wurde im Drehbuch als „verlassenes Einkaufszentrum einer untergegangenen Zivilisation“ beschrieben. Als Coleman erfuhr, dass sie noch in Betrieb ist, soll er 40 Sekunden lang geschwiegen haben.
„Wir wollten eine Szene drehen, in der der Held durch eine menschenleere Innenstadt läuft. Wir haben um 19 Uhr angefangen zu filmen. Kein einziger Passant musste weggeschickt werden. Nicht einer.“
Bradley Coleman, Regisseur, sichtlich bewegt
Auch die Beleuchtungssituation nach 20 Uhr kam dem Filmteam entgegen. Die Szenenbildnerin Jennifer Park lobte die „natürliche Dunkelheit“ der Stadt: „Normalerweise kosten Verdunkelungsfolien für Straßenlaternen 80.000 Dollar pro Drehtag. Hier waren die meisten Laternen schon aus.“
Stadtverwaltung verhandelt Nachfolgefilm
Die Schweriner Stadtverwaltung reagierte enthusiastisch. Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum sprach von einem „imageträchtigen Meilenstein“ und verwies darauf, dass Schwerin nun neben Prag und Budapest zu den „gefragtesten europäischen Filmkulissen“ gehöre. Auf die Frage, ob ihn der Vergleich mit einer postapokalyptischen Wüste störe, antwortete er: „Jede Aufmerksamkeit ist gute Aufmerksamkeit.“
Die Leiterin der Schweriner Filmkommission, die eigens für diesen Anlass gegründet wurde, teilte mit, man verhandle bereits über einen Nachfolgefilm. Arbeitstitel: „Die letzten 98.000“ — ein Drama über eine Stadt, die langsam verschwindet, ohne dass es jemand bemerkt. Coleman soll begeistert gewesen sein: „Das klingt nach Dokumentarfilm. Perfekt.“
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