Es gibt Stadtteile, die kämpfen gegen Gentrifizierung. Es gibt Stadtteile, die kämpfen gegen Leerstand. Und dann gibt es den Großen Dreesch – hier kämpft man gegen Ratten. Und verliert. Seit Monaten.
Ortsbeirat tagt im „Bus Stop“ – Ratten bereits als Stammgäste registriert
Am 24. Februar trifft sich die Ortsteilvertretung des Großen Dreesch um 18 Uhr im „Bus Stop“ an der Bernhard-Schwentner-Straße, um über das zu sprechen, was seit Monaten jeder sieht, riecht und gelegentlich über die Füße laufen spürt: Müll und Ratten. Die Schweriner Wohnungsgesellschaft WGS soll ihre „Strategie für den Stadtteil“ vorstellen – ausdrücklich „auch unter Berücksichtigung von Ordnung und Sauberkeit“. In der Verwaltungssprache bedeutet das: Bitte erklären Sie, warum es hier aussieht wie auf einer Mülldeponie mit Wohnbebauung.
„Mehrere Augenzeugenhinweise“ zu Rattensichtungen an den Dreesch Arkaden, am Dreescher Markt und in der Friedrich-Engels-Straße – aus dem Protokoll der letzten Ortsbeiratssitzung. In anderen Städten nennt man so etwas eine Plage. In Schwerin nennt man es Dienstag.
Krähen plündern Papierkörbe – Stadt sucht Lösungen im Bereich „Vogelabwehr“
Doch die Ratten sind nicht das einzige Problem. Entlang der Friedrich-Engels-Straße in Richtung der Bertolt-Brecht-Schule haben sich Krähen und Möwen zu einer Art organisierten Bande zusammengeschlossen, die systematisch Papierkörbe ausräumt und den Inhalt auf Gehwegen verteilt. Die Ortsteilvertretung hat deshalb einstimmig beantragt, die Behälter „vogelsicher“ zu machen. Wie genau ein vogelsicherer Papierkorb aussehen soll, wurde nicht spezifiziert – vermutlich, weil niemand in der Verwaltung je einen gesehen hat.
Noch absurder: An der Ecke Friedrich-Engels-Straße und Anne-Frank-Straße fehlt seit vier Monaten ein Papierkorb komplett. Die Halterung steht noch, wie ein stummer Zeuge vergangener Sauberkeit. Ein Anwohner schrieb dem Ortsbeirat mit der Frage: „Wohin sollen die Schüler damit auch hin, wenn KEINE Müllbehälter da sind??“ Die doppelten Fragezeichen dürften die Verzweiflung präzise wiedergeben.
Rattensichtungen: Eine Stadtrundfahrt der besonderen Art
Die gemeldeten Hotspots lesen sich wie ein alternativer Stadtführer: Hinter den Dreesch Arkaden, im Umfeld von Fressnapf und Burger King – ironischerweise genau dort, wo man professionell mit Tierfutter und Fast Food handelt. Am Parkdeck Dreescher Markt beim Rewe. In der Friedrich-Engels-Straße, Bertha-von-Suttner-Straße und Arno-Esch-Straße. Friedrich Engels hätte sich das sicher anders vorgestellt.
Das Gremium forderte die Verwaltung bereits im Januar auf, „gemeinsam mit WGS und SWG Maßnahmen zu planen – gerade im Hinblick auf die wärmeren Monate“. Die wärmeren Monate, das sei für Nicht-Schweriner erklärt, sind die drei Wochen im Jahr, in denen die Ratten ihre Vermehrungsrate von „beunruhigend“ auf „mathematisch beeindruckend“ steigern.
Die Schule IGS Bertolt Brecht taucht gleich zweimal auf der Tagesordnung auf: einmal für die Zusammenarbeit mit der Zoo-Schule und einmal für „Ordnung und Sauberkeit im Umfeld“. Wobei sich die Frage stellt, ob die Zoo-Schule nicht einfach ins Schulumfeld verlegt werden könnte – die Tierwelt wäre bereits vorhanden.
Was die Sitzung am 24. Februar bringen wird, bleibt abzuwarten. Die WGS wird ihre Strategie vorstellen, die Verwaltung wird Zuständigkeiten klären, und die Ratten werden tun, was Ratten seit jeher am besten können: sich von Sitzungsergebnissen vollkommen unbeeindruckt zeigen. Immerhin: Die Veranstaltung ist öffentlich. Wer kommen möchte, sollte festes Schuhwerk tragen.
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