Was Dorffeste, Wahlkampfveranstaltungen und der Breitbandausbau nie geschafft haben, gelang am Sonntagnachmittag einer brennenden Lagerhalle südlich von Schwerin: über 100 Menschen gleichzeitig nach Lübesse zu locken.
Seit den frühen Nachmittagsstunden steht in Lübesse eine große Lagerhalle in Flammen. In dem Gebäude waren mehrere Lastkraftwagen abgestellt, dazu Planen und — Überraschung — Gefahrstoffe. Dass überhaupt industrielle Aktivität südlich der Landeshauptstadt existiert, dürfte für viele Schweriner die eigentliche Nachricht des Tages sein.
Einsatzkräfte übertreffen Fußgängerfrequenz am Marienplatz
Rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren Hilfsorganisationen kämpfen gegen die Flammen. Ein Personalaufgebot, das die tägliche Fußgängerfrequenz des Schweriner Marienplatzes locker übertrifft. Einige der abgestellten LKW konnten noch rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich gerettet werden — ein Manöver, das erfahrene Schwerin-Kenner als klassischen Fluchtreflex wiedererkennen dürften.
„In dieser Dimension haben wir seit dem Brand im Café Ulrike nichts mehr erlebt. Normalerweise rücken wir aus, wenn jemand den Grill zu nah an die Gartenlaube stellt.“
Ein Einsatzleiter vor Ort
Wegen der starken Rauchentwicklung wurden Anwohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine Maßnahme, die in Schwerin auch ohne Großbrand Standard ist — dort nennt man es einfach „Winter“.
Gefahrstoffe: Erstmals Beleg für Industrie im Schweriner Umland
Die Tatsache, dass in der Halle Gefahrstoffe gelagert wurden, sorgte kurzzeitig für Aufregung in der Landeshauptstadt. Schwerin kennt sonst nur zwei Gefahrstoffe: den Zustand der Straßen und die Luft im Regionalexpress nach Hamburg. Wie schon beim Straßenbahn-Unfall, der ein Viertel des ÖPNV lahmlegte, zeigt sich: Wenn in der Region etwas passiert, dann richtig.
Zur Brandursache sowie zur Schadenshöhe lagen zunächst keine Angaben vor — was in der Region auch für Infrastrukturprojekte, Kulturförderung und wirtschaftliche Perspektiven gilt. Die Löscharbeiten dauern an. Und während 100 Einsatzkräfte alles geben, fragt sich Schwerin: Warum schaffen wir so viel Engagement eigentlich nur, wenn etwas brennt?
Quelle: Schwerin-Lokal
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