In einer historischen Sitzung hat die Schweriner Stadtvertretung am Montagabend mit großer Mehrheit die Umbenennung der Landeshauptstadt in „Graustadt Schwerin“ beschlossen. Der Antrag, der von einer fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe erarbeitet wurde, sieht vor, das jahrzehntelange Branding als „Perle am See“ aufzugeben und stattdessen auf „radikale Authentizität“ zu setzen.
Grundlage für die Entscheidung ist eine vom Tourismusamt in Auftrag gegebene Wetterstudie, die zu einem eindeutigen Ergebnis kommt: Mit durchschnittlich 297 Regentagen pro Jahr und einer Sonnenscheindauer, die 42 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt liegt, ist Schwerin die graueste Landeshauptstadt Deutschlands. „Wir haben uns jahrelang selbst belogen“, erklärt Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum. „Während wir von mediterranem Flair am Wasser fabuliert haben, stand der Himmel konstant auf Graustufenmodus. Das muss jetzt ein Ende haben.“
Neue Farbpalette ausschließlich in Grautönen
Die neue Corporate Identity der Stadt wurde bereits ausgearbeitet. Das bisherige Stadtlogo wird durch ein monochromes Design ersetzt, das ausschließlich Grautöne von RAL 7000 bis RAL 7047 verwendet. Sämtliche touristische Materialien, Wegweiser und die städtische Website werden auf das neue Farbschema umgestellt. Kosten: geschätzte 4,2 Millionen Euro, finanziert durch eine geplante Erhöhung der Kulturförderung – die damit von 15.000 auf 8.000 Euro sinkt.
„Grau ist das neue Bunt“, betont Marketingleiterin Petra Nieselregen, die das Rebranding federführend begleitet. „Wir positionieren uns als die Stadt für Menschen, die Sonne nicht mögen. Die Zielgruppe der Lichtempfindlichen und Melanom-Gefährdeten wurde bisher völlig vernachlässigt.“ Ein neuer Slogan ist ebenfalls in Arbeit: „Schwerin – Wo der Himmel hält, was er verspricht.“ Das passt zur neuen digitalen Marketing-Offensive der Stadt.
Touristen sollen gezielt enttäuscht werden
Besonders kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag, am Hauptbahnhof eine „Erwartungsmanagement-Station“ einzurichten. Hier sollen Besucher bereits bei der Ankunft über das zu erwartende Wetter und die begrenzten kulturellen Angebote der Stadt aufgeklärt werden. „Wer mit falschen Hoffnungen nach Schwerin kommt, ist selbst schuld“, so der einstimmige Tenor der Stadtvertretung. Ein digitaler Countdown zeigt künftig live an, wie viele Minuten seit dem letzten Sonnenstrahl vergangen sind. Aktueller Rekord: 11 Tage, 7 Stunden, 23 Minuten.
Endlich wird die Stadt ehrlich. Ich wohne seit 40 Jahren hier und habe die Sonne vielleicht dreimal gesehen. Einmal war es ein Flugzeug.
Klaus-Dieter Pfützmann, Rentner am Pfaffenteich
Die Umbenennung soll laut Stadtvertretung auch infrastrukturelle Konsequenzen haben: Alle Straßenlaternen werden künftig nur noch mit 40-Watt-Glühbirnen betrieben, um das „authentische Dämmerungsgefühl“ auch nachts zu bewahren. Der Schweriner See wird offiziell in „Grauwasserbecken“ umbenannt. Für Touristen, die dennoch auf gutes Wetter hoffen, wird eine „Sonnengarantie“ eingeführt – wer an mehr als zwei Tagen hintereinander blauen Himmel sieht, erhält die Kurtaxe zurück. Bislang wurden null Rückerstattungen beantragt.
Einzig der örtliche Regenschirmhersteller „Nieselwetter GmbH“ zeigte sich begeistert: „Das ist die beste Wirtschaftsförderung seit Jahrzehnten. Wir stellen schon mal 200 neue Mitarbeiter ein.“
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