Schwerin. Was als routinemäßiges Karten-Update begann, hat sich zur peinlichsten Bestätigung einer ganzen Stadt entwickelt: Google hat Schwerin am 24. Januar versehentlich von seiner Karte gelöscht. Aufgefallen ist das erst jetzt, drei Wochen später, als ein Rentner aus Lankow seinen Enkel in Hamburg per Google Maps zum Schweriner Schloss lotsen wollte und stattdessen in einem Waldstück bei Crivitz landete.
Algorithmus hielt Stadt für inaktiv
Wie ein Google-Sprecher auf Nachfrage mitteilte, habe ein neuer Algorithmus zur Erkennung sogenannter „Ghost Locations“ Schwerin automatisch entfernt. Das System analysiert Nutzerbewegungen, Suchanfragen und Aktivitätsdaten und stuft Orte ohne nennenswerte Bewegungsmuster als potenziell nicht existent ein.
„Der Algorithmus hat korrekt erkannt, dass nach 20 Uhr keinerlei Aktivität mehr messbar ist. Ab diesem Zeitpunkt unterscheidet sich Schwerin datentechnisch nicht von einem unbewohnten Naturschutzgebiet.“
Jonathan Miller, Senior Product Manager bei Google Maps
Dass die Löschung drei Wochen unbemerkt blieb, überraschte selbst Google. Bei vergleichbaren Vorfällen, etwa als 2019 versehentlich ein Stadtteil von Seoul entfernt wurde, dauerte es 14 Minuten bis zur ersten Beschwerde. Bei Schwerin vergingen exakt 21 Tage, 7 Stunden und 43 Minuten. Der bisherige Negativrekord lag bei einer verlassenen Bergbausiedlung in Nevada mit 19 Tagen.
Stadtverwaltung sieht keinen Handlungsbedarf
Die Stadtverwaltung reagierte gelassen. Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, man habe den Vorfall intern geprüft und keine messbaren Auswirkungen auf den Stadtbetrieb feststellen können. Weder sei der Tourismus eingebrochen, noch hätten sich Bürger beschwert. Beides sei allerdings auch vorher so gewesen.
Der Dezernent für Digitales und Zukunftsfragen konnte nicht erreicht werden. Laut Auskunft seines Büros verfüge sein Dienstrechner aktuell nicht über eine stabile Internetverbindung, um die betreffende Website aufzurufen.
Aus dem Tourismusverband hieß es, man sei „vorsichtig optimistisch“, dass die Wiederaufnahme in Google Maps neue Besucher anlocken könne. Gleichzeitig warnte man davor, die Erwartungen zu hoch zu schrauben. Schwerin sei auch mit Karteneintrag nicht gerade ein Suchbegriff, der Googles Server zum Glühen bringe.
„Wir haben drei Wochen lang nicht auf Google Maps existiert und kein einziger Schwimmbadbesucher, kein einziger Pendler, kein einziger Lieferdienst hat sich beschwert. Ich weiß nicht, ob das beruhigend oder verheerend ist.“
Kerstin Preußer, Beauftragte für Stadtmarketing und proaktive Sichtbarkeitsvermeidung
Google hat Schwerin inzwischen wieder auf die Karte gesetzt, allerdings in einer kleineren Schriftgröße als zuvor. Auf die Frage, ob das Absicht sei, antwortete der Konzern: „Unsere Schriftgrößen-Algorithmen basieren auf Relevanz. Schwerin wird jetzt korrekt zwischen Güstrow und Parchim einsortiert.“ Die Stadtverwaltung prüft, ob man dagegen Einspruch erheben kann. Ergebnisse werden für 2029 erwartet.
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