Kultur

Freitag der 13. in Schwerin: Stadt erklärt Unglückstag zum offiziellen Feiertag

Schwerin hat heute einen neuen Feiertag. Die Stadtvertretung beschloss am Donnerstagabend in einer Sondersitzung einstimmig, den Freitag den 13. als kommunalen Gedenktag einzuführen. Begründung: „Kein anderer Tag beschreibt das Lebensgefühl dieser Stadt so treffend.“

Die Initiative ging vom neu eingerichteten Dezernat für Erwartungsmanagement aus, das erst im Januar seine Arbeit aufgenommen hatte. Dezernent Klaus-Dieter Wermuth erklärte auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Plenarsaal des Schlosses, man habe lange nach einem passenden Symbol für die Landeshauptstadt gesucht.

Wir haben geprüft, ob es einen Tag im Kalender gibt, der die strukturelle Grundstimmung Schwerins besser einfängt als alle anderen. Freitag der 13. war die einzig logische Wahl.

Klaus-Dieter Wermuth, Dezernent für Erwartungsmanagement

Konkret sieht der Beschluss vor, dass an jedem Freitag den 13. sämtliche städtischen Einrichtungen geschlossen bleiben. Da die meisten ohnehin nur eingeschränkt funktionieren, rechnet die Verwaltung mit keinen spürbaren Auswirkungen. Die NVS kündigte an, den Straßenbahnbetrieb an diesen Tagen komplett einzustellen, räumte aber ein, dass der Unterschied zum regulären Abendverkehr „marginal“ sei.

Schwarze Katzen als Stadtmaskottchen im Gespräch

Als besonderen Clou plant die Stadt, schwarze Katzen zum inoffiziellen Wappentier zu ernennen. Eine entsprechende Population soll in der Schelfstadt angesiedelt werden, wo sie laut Verwaltungsvorlage „das einzige Anzeichen von Leben nach 20 Uhr“ darstellen würden. Der Tierschutzverein begrüßte die Initiative, warnte aber davor, dass die Katzen bei der aktuellen Abwanderungsrate möglicherweise schneller wegziehen als die verbliebenen Einwohner.

Besonders enthusiastisch reagierte die Tourismusagentur. Sprecherin Sabine Kaltherz sieht in dem neuen Feiertag eine „einzigartige Chance für das Standortmarketing“. Man plane bereits geführte Pechspaziergänge durch die Innenstadt, bei denen Touristen unter Leitern hindurchlaufen, Spiegel zerbrechen und anschließend den Leerstand am Marienplatz besichtigen können.

Andere Städte haben Weihnachtsmärkte und Stadtfeste. Wir haben jetzt einen Unglückstag. Aber ehrlich gesagt passt das besser zu uns.

Sabine Kaltherz, Sprecherin der Tourismusagentur

Bürger reagieren gelassen

In einer repräsentativen Umfrage unter den noch in Schwerin verbliebenen Bürgern unter 40 Jahren, die auf einer halben DIN-A4-Seite Platz fand, zeigten sich 87 Prozent einverstanden. Der Rest war bereits nach Hamburg gezogen und konnte nicht mehr erreicht werden. Rentner Horst-Günther P. vom Pfaffenteich kommentierte die Entscheidung mit den Worten: „Mir ist jeder Tag gleich. Aber wenn die Straßenbahn nicht fährt, merk ich das auch nicht.“

Kritik kam einzig von der Interims-Stadtverwaltung unter Bernd Nottebaum, die darauf hinwies, dass ein kommunaler Feiertag ohne Landesgenehmigung rechtlich fragwürdig sei. Das Dezernat für Erwartungsmanagement entgegnete, man habe eine entsprechende Anfrage an das Land gestellt, bisher aber keine Antwort erhalten. „Das ist aber auch bei allen anderen Anfragen so“, so Wermuth.

Der nächste Freitag der 13. fällt auf den 13. März 2026. Die Stadt plant für diesen Tag die Eröffnung einer Dauerausstellung im Schleswig-Holstein-Haus mit dem Titel „98.308 Gründe, abergläubisch zu sein“.

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