Schwerin. Während Autofahrer in Schwerin weitgehend freie Fahrt genießen, gleicht das Radfahren in der Landeshauptstadt derzeit einem Überlebenstraining. Der ADFC wirft dem städtischen Winterdienst vor, Radwege systematisch zu vernachlässigen. Die Stadt kontert: Man sei im „Dauereinsatz“. Fragt sich nur, wo.
Die Faktenlage ist eindeutig: Hauptstraßen sind geräumt, Bürgersteige begehbar, aber Radwege präsentieren sich als Eiskunstlaufbahnen mit Hindernisparcours. Matsch, Schnee und spiegelglatte Flächen machen das Radfahren zum Abenteuer für Hartgesottene.
„Falsche Prioritäten“
Der ADFC spricht von „falschen Prioritäten“ beim Winterdienst. Übersetzt bedeutet das: Autos zuerst, Fahrräder irgendwann, vielleicht, wenn noch Zeit ist, wahrscheinlich aber nicht. Die Stadtverwaltung verteidigt sich mit dem Hinweis auf die „außergewöhnliche Wetterlage“. Dass es im Februar in Norddeutschland schneien kann, kam offenbar völlig überraschend.
Besonders betroffen sind Berufspendler, die auf das Fahrrad angewiesen sind. Sie haben nun die Wahl: Entweder das Auto nehmen und im Stau stehen, oder mit dem Rad einen Sturz riskieren. Eine klassische Schwerin-Situation, bei der beide Optionen gleich unbefriedigend sind.
Stadt bittet um Geduld
Die Stadtverwaltung bittet die Bürger um Verständnis. Die Räumfahrzeuge seien rund um die Uhr im Einsatz. Dass dabei offenbar nur Straßen und keine Radwege passiert werden, ist vermutlich ein navigatorisches Versehen. Der ADFC sammelt nun Hinweise von Bürgern über besonders gefährliche Stellen. Man wolle „das Gespräch mit der Stadt suchen“.
Bis dahin gilt für Radfahrer: Helm auf, Hoffnung runter und bloß nicht zu schnell in die Kurven. Der Frühling kommt bestimmt. Irgendwann.
Die Temperaturen sollen laut Vorhersage in den kommenden Tagen steigen. Ob das schneller geht als die Reaktionszeit des Winterdienstes, bleibt abzuwarten.
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