Gesellschaft

Equal Pay Day in Schwerin: Stadt hisst Fahne — Problem damit offiziell gelöst

Schwerin hat am Freitag ein unmissverständliches Zeichen gegen die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen gesetzt: Eine Fahne wurde gehisst. Vor dem Rathaus. Im Wind. Damit dürfte die geschlechtsspezifische Lohnlücke von 16 Prozent in Deutschland so gut wie geschlossen sein.

58 Tage umsonst gearbeitet — aber die Fahne weht

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen seit Jahresbeginn unentgeltlich gearbeitet haben. 58 Tage. Das ist länger als die meisten Praktika dauern — nur dass Praktikanten wenigstens wissen, dass sie ausgenutzt werden.

„Wir wünschen uns, dass sich Akteurinnen und Akteure aus der Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam für Lohngleichheit und Gleichberechtigung einsetzen — und das nicht nur punktuell, sondern an jedem Tag.“

Das sagte Schwerins Gleichstellungsbeauftragte Claudia Wendorf. Das Motto der diesjährigen Kampagne lautet „Equal pay every day“ — auf Englisch, damit es auch die verstehen, die in Schwerin noch nie eine Gehaltsverhandlung geführt haben. Also die meisten.

Stellvertretender OB kam persönlich — das muss reichen

An der Fahnenhissung beteiligte sich der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU). Ein Mann, der für Lohngleichheit einsteht. Symbolisch. Indem er zuschaut, wie Stoff an einem Mast hochgezogen wird. Revolutionärer geht’s kaum.

Die Stadt betont, dass es um „strukturelle Ursachen“ der Lohnlücke gehe — vom Erlernen von Rollenbildern über die Berufswahl bis zur weiblichen Altersarmut. Als Lösung schlägt man „flexible Arbeitsbedingungen“ und „partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit“ vor. Also genau das, was man seit 30 Jahren vorschlägt. Aber diesmal mit Fahne.

Nächstes Jahr wird die Fahne übrigens wieder gehisst. Vielleicht sogar mit einem neuen Motto. Und in weiteren 58 Tagen vergisst Schwerin dann wieder, dass es ein Problem gibt — bis zur nächsten Aktion.

Quellen: Nordkurier

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