Schwerin. In einem Meisterstück politischer Flexibilität, das selbst erfahrene Yoga-Lehrer vor Neid erblassen lässt, hat Stadtpräsident Sebastian Ehlers (CDU) eine Spendenaktion für den Spielplatz in der Kieler Straße in Lankow gestartet. Derselbe Spielplatz, dessen Verkauf er noch vor wenigen Wochen unterstützt hatte.
Die Vorgeschichte liest sich wie ein politisches Lehrstück aus dem Handbuch für fortgeschrittene Wendemanöver: Erst beschloss die Stadtvertretung, das 4.800 Quadratmeter große Gelände zu verkaufen. Dann retteten Bürger den Spielplatz per Bürgerentscheid. Und jetzt, wo die Sache entschieden ist, steht Ehlers plötzlich mit einer GoFundMe-Kampagne da und sammelt Geld für „neue Spielgeräte“. Das Ziel: 30.000 Euro. Bisheriger Stand: knapp 3.400 Euro. Der Weg vom Spielplatz-Gegner zum Spielplatz-Retter scheint in Schwerin erstaunlich kurz zu sein.
Die Sache mit den „gesperrten Geräten“
Besonders kreativ: Um die Spendenaktion zu begründen, war zunächst von „gesperrten Bereichen“ und „gesperrten Geräten aus Sicherheitsgründen“ die Rede. Reporter vor Ort fanden allerdings weder Absperrungen noch Sperrbänder noch „Benutzung verboten“-Schilder. Die offizielle Spielplatzkonzeption der Stadt bewertet die Anlage mit den Worten: „Auf dem Spielplatz sind keine Veränderungen notwendig.“ Nutzungsintensität: hoch.
Mittlerweile rudert man zurück. „Eltern und Kinder müssen bei der Nutzung keine Angst haben“, versichert Ehlers jetzt in einer Pressemitteilung. Was er nicht dazusagt: Das galt auch schon vorher.
„Der Spielplatz ist 15 Jahre alt und entspricht nicht mehr heutigen Standards. Es fehlen barrierefreie Zugänge und inklusive Spielgeräte.“
Sebastian Ehlers, der vor drei Wochen den Spielplatz noch verkaufen wollte
Bürgerinitiative: „Wahlkampftaktik“
Die Bürgerinitiative Stadtteilpark Lankow, die den Spielplatz per Bürgerentscheid tatsächlich gerettet hat, findet die Aktion weniger rührend. Die Spendenaktion sei „ohne jegliche Rücksprache“ gestartet worden. Das Wort „Wahlkampftaktik“ fiel. Nicht ganz grundlos: Ein Foto von der letzten OB-Wahl zeigt Ehlers gemeinsam mit den damaligen potenziellen Investoren des Geländes. Die Initiative gründete als Reaktion einen eigenen Verein, um sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.
Pikant dabei: Die Spendenaktion läuft zusammen mit Cordula Manow von der Linken, der Ortsteilvorsitzenden. Das Geld fließt an den „Verein Schweriner Ortsbeiräte und Präventionsräte“. Wer genau über die Verwendung entscheidet, ist ungefähr so transparent wie die Frage, warum Ehlers seine Position zum Spielplatz um 180 Grad gedreht hat.
Am 12. April wählt Schwerin einen neuen Oberbürgermeister. Sebastian Ehlers (CDU) ist einer von sieben Kandidaten. Der Spielplatz in Lankow ist jetzt auf jeden Fall gerettet. Trotz Ehlers, nicht wegen ihm.
Hinweis der Redaktion: Falls Sie ebenfalls für den Spielplatz spenden möchten, empfiehlt sich der direkte Weg über die Bürgerinitiative. Die hat den Spielplatz schließlich wirklich gerettet.
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