Es gibt Fehler, die passieren einfach. Man verschüttet Kaffee, man vergisst den Hochzeitstag, man behauptet als Stadtpräsident öffentlich, ein Spielplatz sei gesperrt, obwohl er es gar nicht ist, und startet auf dieser Basis eine Spendenaktion. Kann jedem passieren. Sebastian Ehlers (CDU) hat sich nun erstmals ausführlich zu den Vorwürfen rund um den Spielplatz an der Kieler Straße in Lankow geäußert — und dabei einen „Kommunikationsfehler“ eingeräumt, der so klein ist, dass er nur versehentlich eine ganze Spendenkampagne ausgelöst hat.
In einem Interview mit Schwerin Lokal erklärte Ehlers, der Spielplatz wäre „perspektivisch gesperrt worden“. Perspektivisch. Das ist ungefähr so, als würde man die Feuerwehr rufen, weil das Haus perspektivisch brennen könnte. Die Stadt hatte den Spielplatz als verkehrssicher eingestuft, die offizielle Spielplatzkonzeption 2025-2029 attestierte: „Keine Veränderungen notwendig.“ Aber gut, Perspektive ist ja bekanntlich alles.
„Bestimmte Kreise“ und andere alte Bekannte
Besonders bemerkenswert: Auf die Frage nach der Verunsicherung im Stadtteil antwortete Ehlers nicht etwa mit Selbstkritik, sondern mit dem Hinweis, dass „bestimmte Kreise“ gegen ihn und die CDU-Ortsbeiratsvorsitzende Cordula Manow „gezielt Stimmung gemacht“ hätten, „teilweise mit Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie“. Die älteste Verteidigungsstrategie der Welt: Nicht der Fehler ist das Problem, sondern die Leute, die ihn bemerkt haben.
Es hat keine widersprüchliche Kommunikation, sondern einen kleinen Fehler gegeben. Den haben wir korrigiert.
Sebastian Ehlers, der den Unterschied zwischen „gesperrt“ und „nicht gesperrt“ als „kleinen Fehler“ klassifiziert
Der OB-Kandidat, der erst gegen den Bürgerentscheid zum Erhalt des Spielplatzes gestimmt hatte und nun als dessen Retter auftritt, sieht übrigens keinerlei wahlkampftaktische Motive. „Hier geht es nicht um mich, sondern um die Familien und Kinder in Lankow“, erklärte Ehlers. Dass er dabei seinen Namen, seine Netzwerke und — rein zufällig — seine OB-Kandidatur einbringt, dürfte reiner Zufall sein. Manchmal verwechselt man eben Wahlkampf mit Nächstenliebe.
3.200 Euro und die Kunst der Umdeutung
Immerhin: 3.200 Euro seien in den ersten zehn Tagen zusammengekommen. Bei einem geschätzten Bedarf von 30.000 bis 40.000 Euro — eine Zahl, die laut dem zuständigen Eigenbetrieb SDS übrigens nie so geschätzt wurde — müsste die Spendenaktion nur noch etwa 100 weitere Tage laufen. Praktischerweise ist die OB-Wahl am 12. April, also in 51 Tagen. Zeitlich könnte es also knapp werden mit dem Spielplatz. Aber nicht mit dem Wahlkampf.
Die Bürgerinitiative Stadtteilpark Lankow, die den Spielplatz per Bürgerentscheid tatsächlich gerettet hat, wurde bei der Spendenaktion übrigens nicht gefragt. Sie hat inzwischen einen eigenen Verein gegründet — vermutlich um sicherzustellen, dass wenigstens irgendjemand die Kommunikation richtig hinbekommt.
Fazit: Ehlers hat aus einer Niederlage beim Bürgerentscheid eine Spendenaktion gemacht, aus einer Falschbehauptung einen „Kommunikationsfehler“, und aus berechtigter Kritik eine Verschwörung „bestimmter Kreise“. Wenn das keine Qualifikation für das Amt des Oberbürgermeisters ist, dann weiß man auch nicht mehr, was man in Schwerin noch werden soll.
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