Politik

Drei Pappeln gefällt: Schwerin verliert ein Drittel seiner Grünfläche

Es ist eine dieser Nachrichten, die Schwerin erschüttern. Nicht im metaphorischen Sinne, sondern ganz real: Drei Pappeln am Uferweg Auf dem Dwang sind nicht mehr. Der Eigenbetrieb SDS hat sie in dieser Woche fällen lassen. Die Begründung: eingeschränkte Standsicherheit. Die Wahrheit: Schwerin hat mal wieder bewiesen, dass es jedes noch so kleine Ereignis zur Staatsaffäre erheben kann.

Ein Baum fällt, die Stadt steht still

Laut SDS waren die drei Pappeln seit dem Wegfall eines benachbarten Baumbestandes einer „deutlich erhöhten Windlast“ ausgesetzt. Die Bäume seien „statisch nicht angepasst“ gewesen. Übersetzt: Die Kollegen-Bäume daneben sind schon vorher draufgegangen, und die drei Pappeln standen plötzlich allein im Wind. Wie ein Praktikant am ersten Tag, wenn der Rest der Abteilung krank ist.

„Die Fällung sei daher unumgänglich, um Risiken für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie weitere Nutzer des Weges zu vermeiden.“

Weitere Nutzer des Weges. In Schwerin. Am Uferweg Auf dem Dwang. Man fragt sich, ob der SDS dort heimlich eine Menschenzählung durchgeführt hat und auf zweistellige Zahlen gekommen ist. Während der Arbeiten kommt es zu „vorübergehenden Sperrungen“ – was in einer Stadt, die ohnehin niemand bemerken würde, eher nach einer rhetorischen Formalität klingt.

Verkehrssicherheit als Totschlagargument

In einer Stadt, die sich gerade zum UNESCO-Welterbe hochgearbeitet hat, könnte man meinen, dass jeder Baum zählt. Aber Schwerin wäre nicht Schwerin, wenn es nicht auch beim Naturschutz eine bemerkenswert pragmatische Herangehensweise an den Tag legen würde: Was wackelt, kommt weg. Ob das auch für die Dauerbaustellen gilt, die seit Jahren das Stadtbild prägen, ist allerdings fraglich.

Immerhin: Die Stadt hat versprochen, Ersatzpflanzungen vorzunehmen. Wann genau, steht noch nicht fest. Aber in einer Stadt, die für ihre langfristige Planungskultur bekannt ist, darf man sich auf die neuen Bäume ungefähr im Jahr 2038 freuen.

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