In der Nacht zu Montag befreite die Bundespolizei zusammen mit der Feuerwehr drei Männer aus einem steckengebliebenen Aufzug am Schweriner Hauptbahnhof. Was als klassischer Rettungseinsatz begann, endete als Lehrstück darüber, wie man sich in Schwerin für geleistete Hilfe bedankt: mit Beleidigungen, Fäusten und einem Handyvideo.
01:11 Uhr: Schwerin erwacht — unfreiwillig
Um 01:11 Uhr ging über die Notrufzentrale eine Meldung über einen defekten Fahrstuhl am Westausgang des Hauptbahnhofs ein. Drei Männer steckten fest. Die Bundespolizei war als Erste vor Ort, forderte Feuerwehr und Rettungsdienst an — ein eingespieltes Verfahren, das in Schwerin normalerweise nur bei Containerumzügen der Polizei solche Ausmaße annimmt.
Während die Feuerwehr sich professionell an die Befreiung machte, entschied sich ein 27-jähriger Deutscher unter den Eingeschlossenen für eine alternative Strategie: Er beleidigte sämtliche Einsatzkräfte lautstark und dokumentierte das Ganze gleichzeitig mit seinem Handy — vermutlich für eine Bewertung auf Google Maps: „Fahrstuhl Schwerin Hbf, ein Stern, Personal unfreundlich, Wartezeit inakzeptabel.“
Befreiung mit Nachspiel
Gegen 01:40 Uhr — also nach knapp 30 Minuten — waren alle drei Männer befreit. In den meisten Städten Deutschlands folgt an dieser Stelle ein „Danke“. In Schwerin folgte ein Strafverfahren.
„Der Mann ignorierte wiederholt die Aufforderungen, sich ruhig zu verhalten, ging aggressiv auf die Einsatzkräfte zu und schwenkte die Fäuste in deren Richtung.“
Die Bundespolizisten brachten den bereits polizeibekannten Mann unter Kontrolle und fesselten ihn zur Eigensicherung. Man stelle sich das vor: Du wirst nachts aus einem Fahrstuhl gerettet und liegst Minuten später in Handschellen auf dem Bahnsteig, weil du deinen Rettern ins Gesicht geschrien hast. In Schwerins Nachtleben gilt das vermutlich schon als Ausgehabend.
Schwerin: Wo selbst Dankbarkeit optional ist
Eingeleitet wurden Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Beleidigung. Der Fahrstuhl am Westausgang des Hauptbahnhofs ist übrigens einer der wenigen funktionierenden Verbindungen zwischen Schwerins Innenstadt und der Außenwelt — wenn er denn funktioniert. Dass er ausgerechnet nachts um eins ausfällt, überrascht in einer Stadt, in der die Gastronomie um 21 Uhr schließt, allerdings niemanden.
Die beiden anderen eingeschlossenen Männer verhielten sich kooperativ. Sie wissen offenbar, was der 27-Jährige noch lernen muss: In Schwerin beschwert man sich nicht über den Service. Man ist froh, dass es überhaupt welchen gibt.
Quellen: Bundespolizeiinspektion Rostock / Presseportal, Ostsee-Zeitung
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