Gesellschaft

Die Inkagurke kommt: Schwerin kapituliert vor Gemüse aus Peru – und veranstaltet dafür gleich eine Börse

Es gibt Siege, die sich langsam anbahnen. Und dann gibt es die Inkagurke in Schwerin. Die kam, sah und überwucherte. In einem Jahr. Von einem Kleingarten in Halle. Und jetzt, im Februar 2026, ist sie der unangefochtene Star der ersten Schweriner Saatguttausch-Börse.

Die Geschichte beginnt, wie viele Revolutionen, mit einem Umzug. Julia Burghardt zog von Halle nach Schwerin, wurde neue Leiterin der Naturschutzstation, und brachte im Gepäck: Inkagurken-Samen. Eine samenfeste Züchtung aus den Anden Perus, etwa fünf bis zehn Zentimeter lang, schmeckt frisch gurkenähnlich, ist in der Pfanne mit Paprika und Schafskäse ebenfalls „lecker“, und sieht außerdem auch noch hübsch aus wenn sie rankt. Kurz: Die Inkagurke ist der Traumpartner, den jeder Schweriner Balkon verdient und keiner für möglich hielt.

Ein Gemüse, das den Mut hat, wo andere Hybridsorten aufgeben

Der entscheidende Unterschied zwischen der Inkagurke und dem, was der durchschnittliche deutsche Discounter als Saatgut anbietet: Die Inkagurke ist samenfest. Das bedeutet, man kann ihr Saatgut ernten, einpflanzen, und es keimt tatsächlich wieder. Eine revolutionäre Idee in einer Zeit, in der Hybridsorten so produziert werden, dass ihre Kerne zur Aussaat unbrauchbar sind – Gärtner müssen jedes Jahr neu kaufen. Die Inkagurke hingegen gibt weiter. Sie teilt. Sie ist das Gegenteil einer GmbH.

„Alle, die sie angebaut und gekauft haben, waren begeistert“, sagt Julia Burghardt über den Inka-Gurken-Versuch 2025 im Schweriner Kulturgarten. Seitdem breitet sie sich aus. Diskreter als der Biber, aber mit ähnlichem Erfolg.

„Ich fange jetzt mit Chilis an. Die brauchen relativ lange für die Keimung und viel Licht und Wärme. Dann kommen Tomaten dran und später meine Inkagurken.“

Julia Burghardt, Leiterin der Naturschutzstation Schwerin – und de facto Botschafterin der Inkagurke in der Landeshauptstadt

Am 28. Februar: Die erste Saatguttausch-Börse Schwerins

Das alles führt zu einem historischen Ereignis: Am 28. Februar findet in der Naturschutzstation Schwerin (Am Strand 9, 19063 Schwerin) von 12:30 bis 17:30 Uhr die erste Saatguttausch-Börse der Region statt. Eintritt frei. Mitbringen: eigenes Saatgut, beschriftet mit Sorte, Erntejahr und Ort. Rückfragen: unnötig. Die Regeln sind eindeutig. Das ist in Schwerin selten.

Dabei sein werden: Das Mueßer Freilichtmuseum mit Saatgut aus dem Bauerngarten, der Kulturgarten Schwerin, „Essbares Schwerin“, das „ErlebnisReich Bienenstrasse“ und „Natur im Garten“. Außerdem wird die Naturschutzstation eigene Ernte mitbringen: Natternkopf und Ochsenzunge – beides klingt wie Zaubersprüche, ist aber Wildblumen-Saatgut für Wildbienen.

Ab 13 Uhr gibt es Vorträge: „Naturnahes Gärtnern – Lebensräume schaffen“ und um 15 Uhr eines über Gemüse- und Kräuteranzucht. Wer denkt, das klingt nach einem entspannten Nachmittag: richtig gedacht.

Was Schwerin von der Inkagurke lernen kann

Die Inkagurke ist ein Spiegel. Sie ist samenfest, also dauerhaft. Sie ist anpassungsfähig. Sie berankt unansehnliche Ecken. Und sie kommt von weit her, wurde von jemandem mitgebracht der umgezogen ist, und wurde sofort als Teil der Gemeinschaft akzeptiert. Das ist eigentlich die beste Beschreibung für jeden, der je nach Schwerin gezogen ist und sich gefragt hat, ob das hier klappt.

Wer übrigens das Schweriner Kleingartenwesen kennt – es wurde hier auf dieser Seite bereits als inoffizielles Ausgehviertel geadelt –, der weiß: Die Schweriner Gärtnergemeinschaft ist eine der lebendigsten Parallelgesellschaften der Stadt. Die Inkagurke passt da perfekt rein. Sie wächst am besten im Freiland, wird von Insekten bestäubt, braucht keine Verwaltung und produziert trotzdem verlässlich Ergebnisse.

Merke: Was der Schweriner Stadtplanung in 13 Jahren nicht gelingt, schafft die Inkagurke in einer Saison.

Schwerin im Februar 2026: Während die Politik über Wahlen debattiert und der Stadtrat über Breitbandausbau, bringt Julia Burghardt Inkagurken-Samen in die Naturschutzstation. Manchmal schreibt das Leben bessere Satire als jede Redaktion.


📰 Quelle: Nordkurier (Feb 2026) | Veranstaltung: 28. Februar, Naturschutzstation Schwerin, Am Strand 9, 12:30–17:30 Uhr, Eintritt frei

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