Klartext

Die BUGA 2009 – Schwerins letzter großer Moment

Es ist 2025. In Schwerin passiert gerade nichts Besonderes. Wenn Sie mit einem Lokalpolitiker über die Zukunft der Stadt sprechen, wird es im Durchschnitt vier Minuten und zwanzig Sekunden dauern, bis der Satz fällt: Denken Sie an die BUGA. Die Bundesgartenschau 2009. Sechzehn Jahre her. Immer noch der letzte große Moment.

Die BUGA war, das muss man anerkennen, ein Erfolg Ähnlich wie bei Nach Luxus-Ausflug nach Potsdam: Schwerins legendäres Einhorn kehrt zurück – und zieht wieder mehr Besucher als der Zoo. 1,86 Millionen Besucher kamen. Die Gärten am Schloss wurden umgestaltet, der Schlossgarten restauriert, neue Promenaden angelegt. Schwerin war für ein paar Monate ein Ort, an dem etwas passierte. Hotels waren ausgebucht. Restaurants voll. Die Stadt lebte.

Dann war die BUGA vorbei Ähnlich wie bei Schweriner Optimismus – Eine bedrohte Art. Und dann passierte: nichts.

Der Moment, als die Musik aufhörte

2009 war Schwerin kurz eine Stadt mit Zukunft Ähnlich wie bei Schwerin definiert Kultur neu: Modellbahn-Ausstellung ist jetzt offiziell kultureller Höhepunkt der Winterferien. Es gab Schwung, Investitionen, mediale Aufmerksamkeit. Die Frage war: Was macht man daraus? Die Antwort, die Schwerin in den folgenden sechzehn Jahren gegeben hat, lautet: Wir reden darüber, wie toll die BUGA war.

Fragen Sie einen Stadtvertreter nach dem letzten großen Projekt, das Schwerin nach vorne gebracht hat. Nach dem letzten Impuls, der internationale Aufmerksamkeit erzeugt hat. Nach dem letzten Moment, in dem Schwerin mehr war als eine hübsche Kulisse für Schloss-Fotos. Die Antwort ist immer die BUGA. 2009. Sechzehn Jahre. In dieser Zeit hat Leipzig eine komplette Transformation hingelegt. Potsdam hat das Barberini eröffnet. Rostock hat sich eine Bundesgartenschau für 2025 geholt. Schwerin hat die Beete von 2009 gepflegt.

Die BUGA war der Wendepunkt. Seitdem wissen wir, was möglich ist, wenn wir alle zusammenarbeiten. Wir müssen diesen Geist wieder aufleben lassen.

Ratsherr Dietmar Koll (SPD), in einer Stadtvertretungssitzung, 2024

Diesen Geist wieder aufleben lassen. Ein Geist von 2009. Das ist, als würde ein ehemaliger Sportler mit fünfzig noch von seinem Siegtor im Kreispokal-Halbfinale erzählen. Es war schön damals. Aber es ist vorbei.

Die Nostalgie-Falle

Das Problem mit der BUGA als ewigem Referenzpunkt ist nicht die BUGA selbst. Das Problem ist, was sie über die Stadt verrät: Schwerin hat seitdem keine neue Geschichte geschrieben. Kein Festival etabliert, das überregional strahlt. Kein Stadtquartier entwickelt, das Kreative anzieht. Keine Institution geschaffen, die Schwerin auf die Landkarte setzt. Stattdessen: Verwaltung des Bestehenden. Pflege des Status quo. Und wenn es mal besonders ambitioniert wird, ein neuer Kreisverkehr.

Die Einwohnerzahl erzählt die Geschichte deutlicher als jede Statistik: 2009, im BUGA-Jahr, hatte Schwerin noch über 95.000 Einwohner. Seitdem hat die Stadt die 100.000er-Marke kurz gestreift, kämpft aber permanent darum, nicht als Mittelstadt dazustehen. Stand Dezember 2024: 98.308. Eine Landeshauptstadt am Existenzminimum der Großstadtdefinition.

Junge Leute verlassen die Stadt. Sie gehen nach Hamburg, nach Berlin, nach Rostock. Nicht weil Schwerin hässlich ist. Sondern weil Schwerin nach der BUGA aufgehört hat, sich zu bewegen. Wer in einer Stadt lebt, die ihren letzten Höhepunkt vor sechzehn Jahren hatte, fragt sich irgendwann: Kommt da noch was? Die Antwort, die Schwerin gibt, ist Schweigen.

Sechzehn Jahre Stillstand in Zahlen

Seit der BUGA 2009 hat Schwerin keinen einzigen Neubau von überregionaler Bedeutung realisiert. Kein neues Museum, keine Konzerthalle, kein architektonisches Statement. Der Innenstadthandel schrumpft. Die Gastronomie schließt nach 21 Uhr. Die Straßenbahn fährt immer noch vier Linien, genau wie 2009. Es ist, als hätte jemand 2009 auf Pause gedrückt und vergessen, wieder auf Play zu drücken.

Die BUGA hat Schwerin einen Schub gegeben. Jetzt müssen wir den nächsten Schub selbst erzeugen. Die Frage ist nur: Wann?

Katrin Möller, Inhaberin eines Cafés am Pfaffenteich, das seit 2018 um Kunden kämpft

Wann. Das ist die richtige Frage. Die falsche Antwort ist: wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wenn die Fördermittel kommen, wenn der Welterbe-Titel Touristen bringt, wenn irgendwann jemand einen Plan hat. Schwerin wartet seit sechzehn Jahren auf einen Plan. Andere Städte haben in der Zeit einfach angefangen.

Die BUGA 2009 war kein Startschuss. Sie war ein Strohfeuer. Und Schwerin hat seitdem nicht einmal versucht, ein neues anzuzünden. Wer in der Vergangenheit lebt, hat keine Zukunft. Schwerin lebt seit sechzehn Jahren in der Vergangenheit.

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