Schwerin. Was Pendler seit Jahren ahnten, ist jetzt amtlich: Die Deutsche Bahn hat den Schweriner Hauptbahnhof offiziell zum „Haltepunkt“ herabgestuft. Die Begründung des zuständigen Dezernenten für Infrastrukturoptimierung, Carsten Weidling: „Ein Bahnhof setzt voraus, dass dort regelmäßig Züge halten. In Schwerin halten Züge eher zufällig.“
Konkret bedeutet die Herabstufung, dass der Schweriner Hauptbahnhof künftig in derselben Kategorie geführt wird wie Haltepunkte in Dörfern mit unter 200 Einwohnern. Die drei Fahrkartenautomaten werden durch einen einzigen ersetzt, der ausschließlich Regionaltickets nach Hamburg ausgibt. „Mehr kauft hier sowieso niemand“, erklärte ein DB-Sprecher.
Personalabbau trifft auf Personallosigkeit
Im Zuge der Herabstufung sollen 14 der 16 Mitarbeiter versetzt werden. Die verbleibenden zwei Kräfte teilen sich eine Schicht von Montag bis Donnerstag, 9 bis 15 Uhr. Freitags bleibt der Haltepunkt unbesetzt. „Freitags fährt hier erfahrungsgemäß niemand mehr“, so Weidling. „Wer in Schwerin ist, hat bis Freitag entweder aufgegeben oder sich damit abgefunden.“
Besonders pikant: Der Schweriner Hauptbahnhof war bereits 2019 vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen als „atmosphärisch herausfordernd“ eingestuft worden. Seitdem hat sich baulich nichts verändert, was die DB als „konsequente Zustandserhaltung“ wertet.
„Ich fahre seit 23 Jahren jeden Morgen den Regionalexpress nach Hamburg. Zweieinhalb Stunden für 120 Kilometer. Dass die das jetzt ‚Haltepunkt‘ nennen, ist das Ehrlichste, was die Bahn je gesagt hat.“
Thorsten M. (48), Berufspendler aus Schwerin-Lankow
Interims-OB Nottebaum: „Wir prüfen das“
Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum reagierte auf die Nachricht mit der für Schweriner Verhältnisse üblichen Dynamik: Er kündigte eine interfraktionelle Arbeitsgruppe an. Diese soll zunächst klären, ob die Herabstufung eine Herabstufung ist, oder ob man sie als „Neupositionierung im Sinne einer kompakten Landeshauptstadt“ framen könne.
Die Stadtvertretung plant eine Sondersitzung, die jedoch frühestens im Mai stattfinden kann, weil der zuständige Ausschuss derzeit die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe von 2021 auswertet, die sich ihrerseits mit dem ÖPNV-Konzept von 2016 befasst.
Rostock reagierte unterdessen mit einem knappen Statement: „Wir haben einen ICE-Anschluss. Wir kommentieren das nicht weiter.“ Die Stadt Lüneburg, eine niedersächsische Kreisstadt mit besserer Bahnanbindung als die Landeshauptstadt MV, schickte eine Grußkarte.
Die Deutsche Bahn teilte auf Nachfrage mit, dass eine Wiederherstellung des Bahnhof-Status möglich sei, sobald die tägliche Fahrgastzahl „dauerhaft über das Niveau einer gut besuchten Bushaltestelle“ steige.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
