Gesellschaft

Caritas startet Generationen-Kampagne in Schwerin: Boxkeller soll zusammenbringen, was die Stadt seit Jahren auseinandertreibt

Schwerin. Es ist die vielleicht ambitionierteste Sozialkampagne seit der Bundesgartenschau 2009: Die Caritas hat am Wochenende ihre Jahreskampagne „Zusammen geht was“ in der Landeshauptstadt vorgestellt – und damit offiziell zugegeben, dass in Schwerin offenbar nichts mehr zusammen geht. Zentrales Vorzeigeprojekt: ein Boxkeller im Mehrgenerationenhaus Krebsförden, in dem Jung und Alt gemeinsam auf Sandsäcke eindreschen. Sofern man in Schwerin noch jemanden unter 60 findet, der nicht bereits nach Hamburg geflohen ist.

Boxen als letzte Hoffnung der Generationengerechtigkeit

Der „Schweriner Boxkeller“ wurde 2019 gegründet und wird von Detlef „Deddy“ Krause geleitet, unterstützt vom Ex-Boxweltmeister Jürgen Brähmer. Laut Caritas ist der Keller ein „Ort der Begegnung, des Respekts und des Miteinanders“ – also das exakte Gegenteil der Schweriner Stadtvertretung. An den Wänden hängen Bilder von Muhammad Ali. An der Realität hängt die Frage, ob es in einer Stadt mit einem Durchschnittsalter jenseits der 50 überhaupt noch genug verschiedene Generationen gibt, die man zusammenbringen könnte.

„Sport bekommt in der Politik viel zu wenig Beachtung. Es gibt keine bessere Investition als Sport für unsere Kinder – und generell alle Generationen.“

Jürgen Brähmer, Ex-Boxweltmeister – offenbar noch nie auf einer Schweriner Stadtvertretungssitzung gewesen

Dr. Friedrich von Schönfeld vom Caritas-Vorstand formulierte es diplomatischer: „Der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt an vielen Ecken und Kanten.“ In Schwerin bröckelt er nicht – er ist bereits vollständig abgetragen und wurde als Baumaterial für den nächsten Ruinen-Ankauf zwischengelagert. Die Kampagne solle „neue Impulse in der Gesellschaft setzen“, so von Schönfeld. Impulse, die Schwerin dringend braucht – schließlich war der letzte gesellschaftliche Impuls hier die Einführung des Bewohnerparkausweises.

Generationen verbinden – wenn man sie denn findet

Das Konzept klingt bestechend: Alle Altersgruppen sollen gemeinsam sportlich aktiv werden. In der Praxis bedeutet das in Schwerin: Rentner aus dem Großen Dreesch boxen gegen Rentner aus Lankow, während der einzige anwesende 25-Jährige sein Handy zückt, um ein Zugticket nach Berlin zu buchen. Die Caritas spricht von „allen Generationen gemeinsam, nicht getrennt voneinander“ – ein nobles Ziel in einer Stadt, die ihre Arbeitsgruppe gegen Abwanderung mangels Personal bereits auflösen musste.

Immerhin: Der Boxkeller in Krebsförden funktioniert. Menschen kommen tatsächlich zusammen, schwitzen gemeinsam, lernen Respekt. Was anderswo Normalität ist, gilt in Schwerin bereits als sozialpolitisches Wunder. Die Sportstadt Schwerin hat damit neben Volleyball und Schwanfüttern endlich ein drittes Standbein. Ob die Kampagne tatsächlich Generationen verbindet oder nur den Beweis liefert, dass man in Schwerin selbst zum Boxen in einen Keller muss, wird sich zeigen.

Die Caritas plant weitere Projekte im Rahmen der Kampagne. Schwerin plant derweil weiterhin, irgendwann mal 100.000 Einwohner zu haben. Eins davon wird klappen. Wahrscheinlich keins.

Quelle: Ostsee-Zeitung Schwerin

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