Politik

Burnout-Selbsthilfegruppe in Schwerin so beliebt, dass Warteliste eigene Selbsthilfegruppe braucht

Schwerin hat ein neues Erfolgsmodell: die Selbsthilfegruppe „Burnout – und das Leben danach“. Was als kleiner Kreis erschöpfter Arbeitnehmer im KISS am Pfaffenteich begann, hat sich zur meistbesuchten Veranstaltung der Landeshauptstadt entwickelt. Beliebter als Rudelsingen, besser besucht als der SSC und deutlich emotionaler als jede Stadtvertretungssitzung.

Schlossparkcenter als Burnout-Brutkasten

Den Anfang machte Birgit (Name geändert), 52, die nach Jahren im Schweriner Schlossparkcenter feststellte, dass der Laden sie schneller verschlissen hat als die Rolltreppe im Erdgeschoss. „Ich war der Gute-Laune-Bär für alle“, erinnert sie sich. Ein Satz, der in Schwerin eigentlich unter Naturschutz stehen müsste, weil gute Laune hier vom Aussterben bedroht ist.

Nach einem stationären Aufenthalt in der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik – acht Wochen statt der empfohlenen sechs, weil Schwerin offenbar auch therapeutisch Überstunden erfordert – fand Birgit den Weg in die Selbsthilfegruppe. Seitdem trifft sie sich jeden ersten und dritten Mittwoch mit Gleichgesinnten im KISS am Spieltordamm.

„Da sind alle möglichen Leute drin, von der Hausfrau bis zu Teamleitern. Es wird nicht nur gejammert, sondern auch gelacht.“ – Teilnehmerin der Gruppe, die offenbar nicht weiß, dass Lachen in Schwerin als Ordnungswidrigkeit gilt.

Die Gruppe wächst. Kein Wunder: In einer Stadt, in der selbst die Rentner beim Spaziergang am Pfaffenteich erschöpft aussehen, ist Burnout weniger Diagnose als Eingangsvoraussetzung. Die Stadtverwaltung prüft bereits, ob man „chronische Erschöpfung“ als offizielle Begrüßungsformel einführen kann.

Chefin als Katalysator

Besonders brisant: Birgits ehemalige Vorgesetzte soll Mitarbeiter vor Kunden zusammengefaltet haben wie Servietten beim Sonntagskaffee. Mehrere Kollegen kündigten, Auszubildende wurden „wegen Nichtigkeiten zur Sau gemacht“. Ein Führungsstil, den die Schweriner Wirtschaftsförderung vermutlich als „authentisches Fachkräftebindungskonzept“ bezeichnen würde.

Mittlerweile hat Birgit einen neuen Job gefunden. Wenige Stunden, eigenes Tempo, Lob statt Druck. In Schwerin gilt das als Märchen. Die Stadt bietet inzwischen sogar Psychose-Seminare an – vermutlich als Vorstufe, bevor die Burnout-Gruppe voll ist.

Wer mitmachen will: Jeden 1. und 3. Mittwoch, 17 Uhr, KISS am Spieltordamm 9. Pünktlichkeit wird empfohlen – die Warteliste hat schon eine eigene Sitzordnung.

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