SCHWERIN. Der BUND Schwerin hat auf Instagram geschrieben: „Wir sind raus.“ Damit meint er seinen Austritt aus der Klima-Allianz Schwerin – einem Zusammenschluss, der 2019 gegründet wurde, um Klimaschutz in der Stadt über das gesetzlich ohnehin vorgeschriebene Minimum hinaus zu betreiben. Was man in den vergangenen Jahren erreichte, bleibt offen. Was der BUND nun daraus schließt, ist eindeutig: Wenn schon rausgehen, dann richtig. Auf der Jahresmitgliederversammlung beantragte der BUND Schwerin, den gesamten Verein aufzulösen.
Der Austritt wurde auf einer Gruppensitzung am 26. November 2025 beschlossen und soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt vollzogen werden – konkret: Ende 2026. Bis dahin werden BUND-Mitglieder auch nicht mehr für den Vorstand der Klima-Allianz zur Verfügung stehen. Wer das Schiff verlässt, muss es schließlich nicht mehr lenken.
Die Schweriner Erklärung von 2019: Ambitioniert in der Theorie
Alles begann mit der sogenannten „Schweriner Erklärung“ von 2019 – einem Dokument, das die Klima-Allianz in die Welt setzte mit dem Versprechen, Schwerin bis 2035 klimaneutral zu machen und Klimaschutz aktiver zu betreiben, als Gesetze es vorschreiben. Ein Jahr später folgte der Klimanotstandsbeschluss von 2020. Wer den Verlauf der Schweriner Klimapolitik seitdem verfolgt hat, ahnt, wo die Geschichte hinführt.
„Das Vereinsziel werde nicht aktiv verfolgt.“
BUND Schwerin – über eine Allianz, die sich seit Jahren vorwiegend damit beschäftigt, zu existieren
Der BUND verschickte einen offenen Brief, in dem es um den Klimanotstandsbeschluss und das 2035-Ziel ging. Von den Mitgliedsorganisationen der Klima-Allianz unterschrieben lediglich drei: der ADFC, die Initiative Freifahrt.jetzt und der Kulturgarten-Verein. Eine „breitere Debatte“, wie ehrgeizige Klimaziele gemeinsam erreicht werden könnten, entwickelte sich daraus laut BUND nicht. Der offene Brief war im Wesentlichen ein Dokument, das drei Leute lasen und der Rest ignorierte.
Eine Allianz, die das Klima schützt – vor allem vor sich selbst
Was bleibt, ist eine gewisse strukturelle Ironie: Eine Klimaschutzorganisation verlässt ein Klimaschutzbündnis, weil dieses keinen ausreichenden Klimaschutz betreibt, und beantragt dabei, das Bündnis aufzulösen. Das ist kein Scheitern auf halber Strecke. Das ist das konsequente Ende eines Projekts, das nie richtig angefangen hat zu laufen. In Schwerin nennt man das manchmal auch „Stadtentwicklung“.
Dass Schwerin beim Solarpark vor allem die Zauneidechsen begeisterte, während der Klimaschutz sonst eher auf der Warteliste stand, passt in dieses Bild. Die Klima-Allianz war gut gemeint. Sie war, nach Einschätzung eines ihrer wichtigsten Mitglieder, nur nicht gut gemacht.
Der Antrag zur Auflösung wurde auf der Jahresmitgliederversammlung am 28. November 2025 eingebracht. Ob die verbliebenen Mitglieder der Klima-Allianz die Abstimmung über die Auflösung ihrerseits ignoriert haben oder aktiv dagegen stimmten, ist aktuell nicht bekannt. Was bekannt ist: Klimaneutral bis 2035 ist Schwerin noch nicht. Und die Allianz, die darauf hinarbeiten sollte, löst sich gerade auf.
„Wir sind raus.“
BUND Schwerin auf Instagram – drei Wörter, die das Ende einer Klimaschutzkoalition beschreiben, die laut ihrer Gründungsurkunde eigentlich noch 9 Jahre Zeit hätte
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