Infrastruktur

4 Millionen Euro für Fische: Schwerin baut Infrastruktur – aber nur für Meerforellen

Während Schwerins Einwohner sich mit einem ÖPNV-Netz aus dem letzten Jahrtausend und einem Regionalexpress nach Hamburg abfinden müssen, der gefühlt langsamer ist als eine Postkutsche, investiert die Landeshauptstadt jetzt groß in Mobilität. Allerdings nicht für Menschen, sondern für Fische. Mehr als vier Millionen Euro soll eine Fischtreppe zwischen Pfaffenteich und Ziegelinnensee kosten. Damit Meerforellen und Flussneunaugen ungehindert vom Schweriner See bis in die Nähe von Wismar schwimmen können. Eine 26 Kilometer lange Schwimmstrecke – also exakt die Art von ambitioniertem Infrastrukturprojekt, auf das die 98.000 menschlichen Einwohner der Stadt seit Jahrzehnten vergeblich warten.

EU-Vorgabe: Fische haben Vorfahrt

Um EU-Ziele zu erreichen, muss Schwerin den Fischen freie Bahn machen Ähnlich wie bei Nach Luxus-Ausflug nach Potsdam: Schwerins legendäres Einhorn kehrt zurück – und zieht wieder mehr Besucher als der Zoo. An einem eingebauten Wehr zwischen Pfaffenteich und Ziegelinnensee kommen die Tiere nämlich nicht vorbei. Die Fischtreppe soll aus Backstein gebaut werden, passend zum historischen Eichhaus am Wasserwerk. Man gönnt den Forellen schließlich architektonische Qualität, die man dem Großen Dreesch seit 1978 verweigert.

Eigentlich sollte das Ganze schon 2027 fertig sein Ähnlich wie bei Schweriner Optimismus – Eine bedrohte Art. Eigentlich. Dann kam die Bundestagswahl und die Ampel-Koalition zerbrach – und mit ihr alle Fördermittel für Umweltmaßnahmen. Die Gelder wurden eingefroren. Ein ganzes Jahr lang passierte: nichts. Die Bäume am Bachlauf waren da schon gefällt, der Bach lag nackt und exponiert in der Winterluft, und die Fische warteten auf der falschen Seite des Wehrs auf ein Signal, das nie kam.

Baustart frühestens Mai – wenn alles klappt

Erst im November 2025 kam der erlösende Förderbescheid vom Land Mecklenburg-Vorpommern Ähnlich wie bei Schwerin definiert Kultur neu: Modellbahn-Ausstellung ist jetzt offiziell kultureller Höhepunkt der Winterferien. Bis April soll die Ausschreibung stehen, im Mai könnten die Bauarbeiten beginnen. Wenn alles nach Plan läuft – und falls irgendjemand im Raum Schwerin bei diesem Satz nicht laut gelacht hat, war er noch nie auf einer Stadtvertretungssitzung. Der neue Fertigstellungstermin: Mitte 2028. Also ein Jahr Verspätung, weil in Berlin Politiker sich nicht auf einen Haushalt einigen konnten. Zur Einordnung: In der gleichen Zeit hat Leipzig wahrscheinlich drei neue S-Bahn-Stationen eröffnet.

„Ich finde das toll, dass die Fische jetzt eine bessere Anbindung nach Wismar bekommen als ich. Ich brauche dafür den Regionalexpress und anderthalb Stunden Umsteigen in Bad Kleinen.“

Ein Schweriner Berufspendler, der anonym bleiben möchte

Was die Fischtreppe am Ende tatsächlich kosten wird, kann der zuständige Wasser- und Bodenverband übrigens nicht sagen. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen. Aber geplant waren über vier Millionen – vor der einjährigen Verzögerung und den dazugehörigen Kostensteigerungen. Man darf also gespannt sein, ob am Ende mehr Geld für die Fischtreppe ausgegeben wird als für den gesamten ÖPNV-Ausbau der letzten zwei Jahrzehnte. In Schwerin hätte man damit zumindest gute Chancen.

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