OB-Wahl 2026

3:3 und eine eingeschlagene Scheibe: Petra Federaus turbulenter Start in den Schweriner OB-Wahlkampf

Schwerin (sig). Manche Kandidaturen beginnen mit einer Pressekonferenz. Manche mit einer Videobotschaft. Petra Federau, AfD-Kandidatin für das Amt der Schweriner Oberbürgermeisterin, begann ihren offiziellen Wahlkampf mit einem Stichentscheid und einer kaputten Fensterscheibe. Schwerin hat schon ruhigere Wochen erlebt.

Der 5. Februar 2026: Im Stadthaus Schwerin tagte der Wahlausschuss. Auf der Tagesordnung: die formale Zulassung aller sieben OB-Kandidatinnen und -Kandidaten. Sechs Zulassungen verliefen routiniert. Bei der siebten, Petra Federau, wurde es komplizierter. Mehrere Mitglieder des Ausschusses äußerten Zweifel an ihrer Verfassungstreue. Vorgelegt hatte jemand – anonym – eine rund 80 Seiten starke Zusammenstellung von Social-Media-Beiträgen. 80 Seiten Social-Media-Posts. Das entspricht ungefähr der Länge einer mittleren Diplomarbeit, mit dem Unterschied, dass diese Diplomarbeit keine Quellenangabe hatte und damit rechtlich wertlos war.

Die Stadtwahlleiterinnen stellte fest: Das Material sei anonym, nicht überprüfbar und rechtlich nicht ausreichend, um die Verfassungstreue einer Kandidatin in Frage zu stellen. Was folgte, war eine Abstimmung mit Seltenheitswert. Das Ergebnis: 3 JA, 3 NEIN, 1 Enthaltung. Stimmengleichstand. Bei Gleichstand entscheidet die Stadtwahlleitung – und die entschied: Zulassung.

Die Nacht nach der Zulassung

„Wer glaubt, uns mit Einschüchterung und Gewalt stoppen zu können, irrt gewaltig.“

Petra Federau, nach dem Angriff auf ihr Wahlkreisbüro, schwerin-lokal.de, 08.02.2026

In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar – also in der Nacht nach der Zulassung – wurde das Wahlkreisbüro von Petra Federau angegriffen. Unbekannte schlugen die Schaufensterscheibe ein. Sachschaden. Keine Verletzten. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Die AfD sprach von einem Angriff aus dem „linksextremen Spektrum“, wie es in solchen Fällen üblich ist, und bat um Hinweise aus der Bevölkerung.

Federau selbst gab eine Stellungnahme heraus, deren Kernaussage man so zusammenfassen könnte: Man werde weitermachen. „Volle Kraft“ war das Stichwort. Das ist im Wahlkampf das kommunikative Äquivalent von „kein Kommentar“, aber klingt engagierter.

Und jetzt?

Stand heute: Federau ist zugelassen, ihr Büro ist repariert (vermutlich), und bis zur Wahl am 12. April sind es noch acht Wochen. Die AfD lag in einer aktuellen Umfrage zur Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern bei 37 Prozent – klar stärkste Kraft. Die Landtagswahl ist zwar nicht dieselbe wie eine OB-Wahl in Schwerin, aber als Stimmungsindikator ist es eine Zahl, die man zur Kenntnis nehmen muss.

Ein fiktiver Wahlbeobachter aus Rostock, der nichts mit der Sache zu tun hat, soll sinngemäß gesagt haben: „Wenn der Wahlausschuss selbst 3:3 steht, frage ich mich, wie das am 12. April ausgeht.“ Gute Frage. Schwerin hat keine Antwort. Nur noch acht Wochen Zeit.


Mehr zur OB-Wahl: Alle 7 Kandidaten im Überblick | NDR-Debate am 24. März in Lankow

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