Schwerin – Was andere Städte Infrastrukturversagen nennen würden, feiert Schwerin als Tradition: Zum 30. Mal lädt die Landeshauptstadt zum Frühjahrsputz ein. Eine Generation lang haben Bürger nun ehrenamtlich die Arbeit übernommen, für die eigentlich Steuern gezahlt werden.
„Es freut mich zu sehen, dass der Frühjahrsputz inzwischen zum 30. Mal stattfindet und somit eine feste Tradition im gemeinschaftlichen Miteinander darstellt“, erklärt der erste Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Bernd Nottebaum, ohne eine Spur von Ironie. Tatsächlich dürfte Schwerin die einzige Landeshauptstadt sein, die stolz darauf ist, drei Jahrzehnte lang nicht alleine mit ihrem Müll klargekommen zu sein.
Für 2026 wurden bereits 2.712 rote Müllsäcke bestellt – mehr als doppelt so viele wie Einwohner unter 30. Wenn 6.096 Freiwillige wie letztes Jahr wieder 19,5 Tonnen Unrat zusammenkratzen, könnte das erstmals die offizielle Einwohnerzählung übersteigen.
Höhepunkt der Aktionswoche vom 16. bis 21. März ist die sogenannte „Schrubberparty“ auf dem Bertha-Klingberg-Platz. Dort können Teilnehmer von einem Ballonkran aus „einen fabelhaften Ausblick auf die geputzte Stadt“ genießen – vermutlich der einzige Tag im Jahr, an dem das möglich ist.
Besonderes Highlight: Eine „bunte Müllmodenschau“ für Kita-Kinder. Schwerin bringt seinen Jüngsten damit früh bei, dass Abfall nicht entsorgt, sondern kreativ umgewidmet wird. Ein Konzept, das auch bei der Stadtentwicklung Anwendung findet.
Unterstützt wird die Aktion von der Sparkasse, den Stadtwerken und diversen Wohnungsunternehmen – also exakt den Institutionen, die theoretisch auch einfach das ganze Jahr über für Sauberkeit sorgen könnten. Aber wo bliebe dann die Tradition?
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