Gesellschaft

17-Jährige findet Kuvert mit Bargeld am Marienplatz — Polizei stuft Fund als „das Positivste ein, was hier seit 2019 passiert ist“

Der Marienplatz in Schwerin hat viele Talente: Er kann Angst machen, Schlagzeilen produzieren und gelegentlich sogar die Landespolitik beschäftigen. Was er normalerweise nicht kann: positive Nachrichten liefern. Bis jetzt.

Am Mittwoch, dem 18. Februar, fand eine 17-jährige Schwerinerin ein Kuvert mit einer „erheblichen Bargeldsumme“ im Bereich des Marienplatzes und übergab es umgehend der Polizei. Die Beamten stellten Bargeld im „höheren dreistelligen Bereich“ sicher. Der rechtmäßige Eigentümer konnte bislang nicht ermittelt werden.

Der gefährlichste Ort in MV und seine ehrlichste Besucherin

Man muss das einordnen: Der Marienplatz gilt laut Kriminalstatistik als einer der gefährlichsten Orte Mecklenburg-Vorpommerns. Hier hat die Polizei eine mobile Wache eingerichtet, die bis Sommer in feste Räume in einem ehemaligen Asia-Restaurant einziehen soll. Hier laufen Videoüberwachungskameras. Und hier findet eine Jugendliche einen Umschlag voller Geld — und bringt ihn zur Polizei.

Die Polizei bedankt sich „ausdrücklich bei der ehrlichen Finderin für ihr umsichtiges und verantwortungsbewusstes Handeln.“ In einer Stadt, die seit Monaten darüber diskutiert, ob Alkohol am Marienplatz verboten werden soll, ist eine ehrliche Finderin so selten wie ein freier Parkplatz in der Schloßstraße.

Fundbüro statt Polizeibericht: Eine Premiere

Der höhere dreistellige Bereich — also vermutlich irgendwo zwischen „anständiges Abendessen“ und „ein Drittel der Monatsmiete am Großen Dreesch“ — wird nun an das Stadthaus Schwerin übergeben. Wer glaubt, der Eigentümer zu sein, kann sich dort melden und muss Angaben zum Verlustzeitpunkt, zur Höhe der Summe und zu Besonderheiten des Kuverts machen.

Die größte Besonderheit des Kuverts dürfte sein, dass es am Marienplatz lag und trotzdem seinen Weg zur Polizei gefunden hat. In einer Stadt, deren Innenstadt bereits als Naturschutzgebiet vorgeschlagen wurde, ist das ein bemerkenswerter Akt der Zivilisation.

Die 17-Jährige selbst wird sich über die Aufmerksamkeit vermutlich wundern. Sie hat einfach getan, was man tut, wenn man Geld findet, das einem nicht gehört. In jeder anderen Stadt wäre das eine Randnotiz. In Schwerin ist es eine Pressemitteilung der Polizei, ein Zeitungsartikel und — wenn die Verwaltung so weitermacht — bald vermutlich auch eine Gedenktafel am Marienplatz: „Hier wurde am 18. Februar 2026 etwas Positives gefunden.“

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