Infrastruktur

Warnstreik in Schwerin: Fußgänger berichten von normalem Montag

Schwerin – Am Montag, dem 2. Februar, wird der gesamte Bus- und Straßenbahnverkehr in Schwerin stillstehen. Die Gewerkschaft ver.di hat zum Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind sämtliche Linien des Nahverkehrs Schwerin (NVS). Die Bevölkerung reagiert mit einer Mischung aus Gleichmut und leichter Verwirrung.

„Moment, die fahren sonst?“

Die Nachricht vom Warnstreik hat in Schwerin für überraschende Reaktionen gesorgt. „Ich dachte, die Busse fahren schon seit 2019 nicht mehr“, sagte ein Passant am Marienplatz, der seinen täglichen 45-Minuten-Fußweg zur Arbeit als „bewährtes Konzept“ bezeichnete. Tatsächlich gaben in einer nicht repräsentativen Umfrage 87 Prozent der Befragten an, den Unterschied zwischen einem Streiktag und einem normalen Montag nicht benennen zu können.

„Wir fordern 35 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich. Bei der aktuellen Taktung unserer Busse wären das etwa drei Fahrten am Tag.“ – Ein ver.di-Sprecher in ungewohnter Selbstreflexion

Arbeitgeber warnen vor „Realitätsferne“

Der Kommunale Arbeitgeberverband MV wies die Forderungen von ver.di als „nicht finanzierbar“ zurück. Eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, höhere Zulagen und eine Jahressonderzahlung von 100 Prozent seien schlicht nicht darstellbar. Branchenkenner vermuten allerdings, dass die Arbeitgeber vor allem Angst haben, die Fahrer könnten bei weniger Arbeitszeit noch seltener fahren.

Interessant: Der NVS entschuldigte sich in einer Pressemitteilung bei den Fahrgästen und bat um Verständnis. Die fünf betroffenen Personen hätten sich bislang nicht gemeldet.

Schwerin entdeckt die autofreie Stadt

Überraschend positiv reagierte die Stadtverwaltung. Ein Sprecher erklärte, der Streiktag sei eine „einmalige Gelegenheit, das Konzept einer autofreien Innenstadt zu testen“. Allerdings räumte er ein, dass Schwerin streng genommen auch an normalen Tagen bereits weitgehend autofrei sei, zumindest was den öffentlichen Nahverkehr betreffe.

Der reguläre Betrieb soll am Dienstag ab 4 Uhr wieder aufgenommen werden. Ob das jemand bemerken wird, bleibt abzuwarten. Ein Fahrgast fasste die Situation treffend zusammen: „Ich nehme seit zehn Jahren das Fahrrad. Aber es ist schön zu wissen, dass sich jemand für bessere Arbeitsbedingungen im ÖPNV einsetzt. Theoretisch könnte ich ja irgendwann mal Bus fahren.“

Quelle: schwerin-lokal.de

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