Infrastruktur

Warnstreik legt Nahverkehr in ganz MV lahm – Schwerin stellt Betrieb komplett ein

Schwerin/Rostock. Am kommenden Montag stellt der Nahverkehr in weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns den Betrieb ein. Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten von neun kommunalen Verkehrsunternehmen zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen — darunter auch den Nahverkehr Schwerin. NVS-Geschäftsführer Thomas Schlüter kündigte an: „Wir stellen den Betrieb komplett ein.“ Betroffene Schweriner zeigten sich verwundert — nicht etwa über den Streik, sondern darüber, dass offenbar an den anderen Tagen tatsächlich Busse und Bahnen fahren sollen.

Schwerin: Kompletter Stillstand ab 4 Uhr morgens

Sämtliche Busse und Straßenbahnen im Schweriner Stadtverkehr fallen am Montag aus — von 4 Uhr morgens bis Dienstag 4 Uhr. Das betrifft alle vier Straßenbahnlinien der Landeshauptstadt. Ja, richtig gelesen: alle vier. Das gesamte Schienennetz einer Landeshauptstadt lässt sich offenbar in einem Satz zusammenfassen. Lediglich Schienenersatzverkehrsbusse sollen planmäßig fahren — sofern man weiß, wo die halten, was in Schwerin traditionell eine Glücksfrage ist.

„Ich dachte, die streiken schon seit drei Wochen. Ehrlich gesagt merke ich da keinen Unterschied.“

Ein Pendler aus Lankow, der sich längst daran gewöhnt hat, morgens 45 Minuten an der Haltestelle zu stehen

Landesweit 80 Prozent Ausfall erwartet

Neben dem NVS in Schwerin sind auch die RSAG in Rostock, Nahbus in Nordwestmecklenburg, die VLP in Ludwigslust-Parchim und fünf weitere Unternehmen betroffen. Ver.di rechnet damit, dass mindestens 80 Prozent aller Busse und Bahnen im Land ausfallen. Rund 2.800 Beschäftigte sind aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. In Rostock bleibt zusätzlich die Fähre zwischen Gehlsdorf und Kabutzenhof an Land. Experten rechnen damit, dass mindestens drei Touristen, die versehentlich in Rostock gelandet sind, davon betroffen sein könnten.

Besonders hart trifft es den Schülerverkehr: Schulbusse fallen landesweit aus. Das Bildungsministerium wies darauf hin, dass der Unterricht grundsätzlich stattfinde — Schüler aber entschuldigt abgemeldet werden können. Eine Regelung, die in MV vermutlich auch ohne Streik rege genutzt wird.

35-Stunden-Woche und Kundgebung in Lübeck

Ver.di fordert eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich, eine Einspringprämie und höhere Zuschläge. Der Kommunale Arbeitgeberverband sprach von „überzogenen Forderungen“ und kritisierte, dass offenbar jede Verhandlungsrunde mit Streik begleitet werden müsse. Die nächste Runde ist für den 16. Februar angesetzt. Am Montag wollen sich die Streikenden um 10 Uhr in Lübeck zu einer Kundgebung versammeln — denn wenn man schon nicht in MV fahren kann, dann wenigstens nach Schleswig-Holstein.

In Schwerin beobachtet man die Lage mit der entspannten Gelassenheit einer Landeshauptstadt, die ohnehin weiß: Egal ob Streik oder nicht — am Ende steht man hier sowieso im Regen an der Haltestelle und wartet.

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