Die Landeshauptstadt Schwerin steht vor einer historischen Oberbürgermeister-Wahl: Gleich sieben Bewerber wollen am 12. April das Amt übernehmen, das bisher Bernd Nottebaum (SPD) innehatte. Politische Beobachter zeigen sich überrascht – nicht über die Kandidatenvielfalt, sondern darüber, dass sich überhaupt jemand freiwillig meldet.
Jüngster Neuzugang im Bewerberfeld: Dr. Aileen Wosniak von der Aktionsgruppe Stadt und Kulturschutz (ASK). Die promovierte Psychotherapeutin, die auf dem Großen Dreesch aufwuchs, vor Jahren wegzog und dann bewusst zurückkehrte, setzt auf feministische Stadtentwicklung, Jugendbeteiligung und Tierschutz. Drei Themen, die in Schwerin bislang ungefähr so viel Aufmerksamkeit genossen wie die vierte Straßenbahnlinie.
„Ehrenamt ist kein Lückenbüßer“ – Schwerin so: Doch, eigentlich schon
Wosniak fordert unter anderem bessere Beleuchtung und sichere Wege, damit sich alle Menschen nachts in Schwerin sicher fühlen. Kritiker merken an, dass die größte Gefahr nach 22 Uhr in Schwerin ohnehin darin besteht, keiner Menschenseele zu begegnen. Auch die konsequente Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in politische Entscheidungen steht auf der Agenda – was voraussetzt, dass es in Schwerin noch welche gibt.
„Wenn wir junge Menschen nicht einbeziehen, senden wir ein fatales Signal.“
Dr. Aileen Wosniak, ASK-Kandidatin. Die Jugend hat das Signal bereits empfangen – und ist nach Hamburg gezogen.
Sieben Kandidaten, eine Frage: Wer darf die Schlaglöcher verwalten?
Neben Wosniak stehen Sebastian Ehlers (CDU), Petra Federau (AfD), Massimo De Matteis (Volt), Mandy Pfeifer (SPD), Lars Schubert als liberaler Einzelbewerber und Heiko Steinmüller (parteilos) bereit. Am 5. Februar entscheidet der Wahlausschuss, wer tatsächlich antreten darf. Insider vermuten, dass alle zugelassen werden – schon allein, weil die Stadt jeden nehmen kann, der bleiben will.
Die eigentliche Sensation bleibt jedoch die Kandidatur einer Volt-Bewerbung in einer Stadt, in der manche Bürger noch erklären müssen, was „Volt“ überhaupt ist. Schwerin wählt am 12. April – in einer Landeshauptstadt, die mit ihren 98.308 Einwohnern offiziell nicht mal mehr als Großstadt gilt, aber trotzdem einen Oberbürgermeister braucht.
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