Gesellschaft

Seit 50 Jahren Dornröschenschlaf: Schweriner wollen ihren Fernsehturm zurück

Er prägt seit über 50 Jahren die Skyline der Landeshauptstadt, und doch ist er für die meisten Schweriner so unerreichbar wie ein bezahlbarer ICE nach Hamburg: der Schweriner Fernsehturm. Nun formiert sich Widerstand. Bürger kämpfen für die Wiedereröffnung des Wahrzeichens – und stoßen dabei auf eine Stadtverwaltung, die behauptet, kein Geld zu haben.

Nostalgie mit Weitblick

„Es war immer nett dort oben. Man konnte bis zum Schweriner See gucken. Und manchmal, bei klarem Wetter, konnte man sogar die Zukunft der Stadt sehen. Da war allerdings auch nicht viel los.“

So erinnert sich Helga Petersmann (68) aus der Feldstadt, die das Restaurant im Fernsehturm noch aus DDR-Zeiten kennt.

Die Stadt argumentiert, für die nötige Sanierung fehle schlicht das Geld. Pikant: Gleichzeitig werden andere Projekte in der Landeshauptstadt mit Millionenbeträgen gefördert. Für die Fernsehturm-Befürworter ein klares Signal der Prioritäten.

„Wenn Schwerin Geld für eine neue Stadtmarke in Blau, Weiß und Gold hat, dann muss auch ein Fernsehturm drin sein.“

So fordert Klaus-Dieter Wendt (73) von der Bürgerinitiative „Schwerin ganz oben“.

Das architektonische Äquivalent zum Schloss

Die Ironie ist nicht zu übersehen: Schwerin leistet sich den Luxus eines Wahrzeichens, das man nur von außen betrachten kann. Der Fernsehturm ist damit das architektonische Äquivalent zum Schweriner Schloss – imposant, symbolträchtig, und im Inneren passiert seit Jahren nichts Nennenswertes.

Mit der bevorstehenden Oberbürgermeisterwahl könnte der Fernsehturm allerdings wieder zur „Chefsache“ werden. Bereits bei vergangenen Wahlkämpfen versprachen Kandidaten die Wiedereröffnung – ähnlich verlässlich wie die jährliche Ankündigung, den Nahverkehr zu verbessern.

„Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst.“

So teilte eine Stadtsprecherin mit, was in Schwerin erfahrungsgemäß bedeutet: Das Thema wird in einer Arbeitsgruppe besprochen, die sich einmal im Quartal trifft.

Schön wär’s – wenn man reindürfte

Bis dahin bleibt der Fernsehturm das, was er seit Jahrzehnten ist: ein stiller Beobachter einer Landeshauptstadt, die große Träume hat und kleine Budgets. Immerhin: Von oben würde Schwerin bestimmt ganz passabel aussehen. Wenn man denn reingelassen würde.

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