Politik

Schwerins Briefwahl-Bermudadreieck: Wo Stimmen spurlos verschwinden

In Schwerin hat man eine bahnbrechende Methode entdeckt, die Wahlbeteiligung niedrig zu halten: Man lässt die Bürger einfach an der Briefumschlag-Falttechnik scheitern. Beim kürzlichen Bürgerentscheid zum Spielplatz Kieler Straße verschwanden offenbar bis zu fünf Prozent aller Stimmen in einem bürokratischen Bermudadreieck, noch bevor sie überhaupt gezählt wurden.

Grüner Schein, weißer Umschlag, rotes Gesicht

Das Verfahren klingt einfacher, als es ist: Grünen Abstimmungsschein ausfüllen und unterschreiben, Stimmzettel in den weißen Umschlag stecken, alles in den Rücksendeumschlag, zukleben, abschicken. Wer dabei auch nur einen Schritt vergisst, wird gnadenlos aussortiert. Sein Brief landet im Papierkorb der Demokratie.

„Ich habe den grünen Schein ausgefüllt, den weißen Umschlag zugeleckt und alles in den großen Umschlag gesteckt. Dann fiel mir auf, dass ich den falschen Umschlag zugeleckt hatte. Mein Mann sagt, das ist Wählerunterdrückung. Ich sage, das ist Origami für Fortgeschrittene.“ – Hannelore S. (71), gescheiterte Demokratin

Die unsichtbaren Fünf Prozent

Besonders pikant: In drei von mehreren Auszählungsräumen fielen die „aussortierten“ Stimmen statistisch deutlich auf. Hochgerechnet hätte die Wahlbeteiligung bis zu fünf Prozent höher liegen können. Doch wer seinen Umschlag falsch zuklebt, hat laut amtlicher Definition nie teilgenommen. Er existiert demokratisch schlicht nicht.

Das redaktionelle Nachrichtenportal schwerin.news hat das Transparenzproblem aufgedeckt und fordert nun konkrete Zahlen von der Wahlbehörde.

Schwerin erfindet die „Einsendequote“

Kritiker fordern jetzt neben der offiziellen Wahlbeteiligung eine neue Kennzahl: die „Einsendequote“. Sie soll messen, wie viele Bürger es versucht haben abzustimmen, egal ob ihr Umschlag den Qualitätscheck bestand. Eine Art Trostpreis für engagierte Briefkuvert-Versager.

„Bei einer reinen Briefwahl gibt es keinen Wahlhelfer, der einem sagt: Entschuldigung, Sie haben vergessen zu unterschreiben. Man ist einfach raus. Wie bei ‚Wer wird Millionär‘, nur ohne Telefonjoker.“ – Ein Wahlbeobachter mit Humor

Die Stadtverwaltung hat bisher keine detaillierten Zahlen veröffentlicht. Das überrascht in einer Stadt, die kürzlich UNESCO-Welterbe geworden ist, allerdings niemanden. Immerhin pflegt man in Schwerin auch bei der Demokratie einen gewissen historischen Charme: undurchsichtig, aber mit Patina.

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