Gesellschaft

Schweriner Taxifahrer hinterzieht 144.000 Euro – Stadt rätselt: Woher die Fahrgäste?

144.000 Euro. So viel hat ein Schweriner Taxi-Unternehmer am Finanzamt vorbeigeschleust. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Hundertvierundvierzigtausend Euro. Schwarz. In Schwerin. Mit einem Taxi.

Der fleißigste Taxifahrer von ganz MV

Wer sich ein wenig mit den Gegebenheiten der Landeshauptstadt auskennt, dem stellt sich sofort eine Frage: Wie? Schwerin hat rund 100.000 Einwohner, von denen gefühlt 80.000 bereits um 19 Uhr in den Pantoffeln stecken. Der öffentliche Nahverkehr ist überschaubar, das Nachtleben ebenfalls. Und trotzdem schafft es ein einzelner Taxi-Unternehmer, eine sechsstellige Summe am Fiskus vorbeizufahren?

„144.000 Euro schwarz? Das sind bei Schweriner Taxipreisen ungefähr 28.000 Fahrten vom Marienplatz zum Hauptbahnhof. Oder einmal zum Flughafen Hamburg und zurück – pro Tag – ein ganzes Jahrzehnt lang.“

– Ein lokaler Steuerberater, der lieber anonym rechnet

Rechenaufgabe: Schwerin bei Nacht im Taxi

Lassen Sie uns kurz kalkulieren: Eine durchschnittliche Taxifahrt in Schwerin kostet etwa 8 bis 12 Euro. Um 144.000 Euro einzunehmen, müsste man also zwischen 12.000 und 18.000 Fahrten absolviert haben – nur die unversteuerten wohlgemerkt. Bei einer Stadt, in der man sich am Bahnhof ein Taxi teilt, weil nur eins da steht, ist das eine bemerkenswerte logistische Leistung.

Manche vermuten, der Unternehmer habe einfach jede einzelne Fahrt doppelt gefahren: einmal offiziell, einmal inoffiziell. Andere sagen, er habe nachts das Taxi als inoffizielle Uber-Alternative für die drei Menschen betrieben, die in Schwerin nach Mitternacht tatsächlich noch unterwegs sind.

„Wir sind ehrlich gesagt beeindruckt. In Schwerin so viel Umsatz zu machen, das grenzt an unternehmerisches Genie. Schade, dass er es nicht legal gemacht hat.“

– Ein Sprecher der IHK Schwerin (fiktiv)

144.000 Euro Strafe – oder: Die teuerste Taxifahrt aller Zeiten

Das Gericht hat dem Unternehmer nun 144.000 Euro Nachzahlung aufgebrummt. Ironischerweise muss er damit exakt die Summe zahlen, die er ursprünglich hinterziehen wollte – plus die Erkenntnis, dass Steuerhinterziehung in einer Stadt, in der jeder jeden kennt, vielleicht nicht die cleverste Geschäftsidee ist.

Die Schweriner Taxibranche nimmt den Fall gelassen. Wie ein Kollege des Verurteilten anmerkte: „Wenigstens wissen jetzt alle, dass es in Schwerin tatsächlich genug Fahrgäste gibt.“ Ein schwacher Trost – aber in der Landeshauptstadt nimmt man, was man kriegen kann.

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